Na? Noch schlapp von der Weihnachtsvöllerei mit viel essen und ohne Bewegung? Bei Bären verhindert ein Trick den Muskelschwund. Bei uns Menschen ist es leider ein bisschen komplizierter.

Eine Studie zeigt, dass schon zwei Wochen Bewegungsmangel Muskeln und Knochen schwinden lassen. Grizzlybären kriegen das besser hin. Im Fachmagazin Scientific Reports erklären Forschende aus Berlin, Greifswald und den USA, wie die Bären viele Monate in ihrer Winterruhe überstehen, ohne dass ihre Muskeln unter der fehlenden Bewegung leiden. Möglicherweise können die Strategien der Bären auch Menschen helfen, Muskelschwund vorzubeugen.

Nur selbst produziert hilft

Die Forschenden haben Muskelproben von Grizzlybären während des Winterschlafs und danach untersucht und Proteine entdeckt, die während des Winterschlafs in den Muskelzellen erhöhte Mengen bestimmter Aminosäuren erzeugen.

Auch isolierte Muskelzellen von Menschen und Mäusen mit Muskelschwund ließen sich durch diese Aminosäuren zum Wachstum anregen. Es reicht aber nicht, sie in Form von Tabletten oder Pulvern zu geben. Der Studie zufolge ist es offenbar wichtig, dass der Muskel diese Aminosäuren selbst produziert, damit sie an die Orte gelangen, an denen sie gebraucht werden. Wie das geht, soll jetzt weiter untersucht werden.

Muskelabbau in der Schwerelosigkeit

Der Mediziner Hanns-Christian Gunga ist stellvertretender Direktor des Instituts für Physiologie an der Berliner Charité. Er hat sich intensiv mit Muskelschwund beim Menschen beschäftigt und vor allem damit, wie sich Muskelschwund vermeiden lässt. Er weist darauf hin, dass wir 60 Prozent unserer Muskulatur nur benötigen, um stehen zu können.

In der Schwerelosigkeit beginnt der menschliche Organismus unmittelbar mit dem Muskelabbau, berichtet Hanns-Christian Gunga. Nur mit einem etwa zweistündigen Training, lasse sich dem entgegenwirken.

"In der Schwerelosigkeit merkt der Organismus sofort: das brauche ich nicht mehr und fängt an, das abzubauen."

Trainingsprogramme, die die menschliche Fitness auf Langstreckenflüge im All erhalten, müssten hingegen erst noch entwickelt werden. Für lange Schlafphasen, wie der Grizzly sie einlegt, seien Primaten wie wir nicht geschaffen.

"Wir sind normalerweise eben keine Winterschläfer. Wir würden sicherlich Muskelmasse abbauen."

Das sei für den Organismus eine ziemlich große kognitive Herausforderung. Hanns-Christian Gunga weist auf den Fettschwanzmaki hin, den wohl einzigen Primaten, der einen Winterschlaft hält. Verwunderlich sei, dass der nach der Schlafphase überhaupt wisse, wie sein Futter aussieht und wie er herankommt.

"Erstaunlich ist, dass die danach halbwegs wissen, wo sie ihre Nahrung wiederfinden. Das ist grundsätzlich kognitiv sehr schwierig."