Am 7. Juni will die britische Premierministerin Theresa May ihren Job als Parteichefin der Konservativen Partei abgeben. Bis ein Nachfolger feststeht, will sie als Regierungschefin im Amt bleiben. Brexit-Hardliner Boris Johnson wird sich um den Posten bewerben, sagte er.

Der Schritt war unausweichlich: Drei mal war Theresa May im britischen Parlament mit dem von ihr mit der EU ausgehandelten Brexit-Vertrag gescheitert. Zuletzt wurde die Kritik an ihr so laut, dass sie nun die Konsequenzen zog: Vor ihrem Amtssitz in der Downing Street Nummer 10 trat sie vor die Presse und erklärte - sichtlich bewegt - ihren Rücktritt. "Sie hat eingesehen, dass es einfach nicht mehr weiter geht", kommentiert unser Korrespondent Friedbert Meurer.

"Ich werde in Kürze die Aufgabe abgeben, die für mich die größte Ehre meines Lebens bedeutete. Ich werde dies ohne Groll tun, mit enormer und bleibender Dankbarkeit, dass ich die Chance hatte, dem Land zu dienen, das ich liebe."
Theresa May in ihrer Rücktrittsankündigung
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Wer nun als Nachfolger das Amt antreten wird, das ist die große Frage. Mays Parteikollege Boris Johnson gelte als Favorit bei der Partei-Basis, sagt unser Korrespondent. Der Brexit-Hardliner kündigte bereits an, dass er sich um den Job bewerben werde.

Doch es gibt noch mehrere mögliche Kandidaten: Der frühere Brexit-Minister Dominic Raab etwa, Außenminister Jeremy Hunt oder auch die Ex-Ministerin für Parlamentsfragen, Andrea Leadsom, die am Mittwoch (22.05.) aus Protest ihr Amt niederlegte.

Mehrstufiges Verfahren

Noch vor der Sommerpause Ende Juli soll ein Nachfolger gefunden werden. Zunächst werden innerhalb der Partei über mehrere Wahlgänge die zwei Favoriten für das Amt bestimmt. Die Parteibasis werde dann in einer Urwahl entscheiden, sagt Friedbert Meurer.

"Die EU hält am Brexit-Vertrag fest. Damit wird jeder Nachfolger leben müssen."
Friedbert Meurer, Dlf-Korrespondent für Großbritannien

Von Seiten der EU äußerte man Bedauern zum Rücktritt Mays. Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt Mays Entscheidung "mit Respekt" zur Kenntnis, erklärte eine Sprecherin der Bundesregierung. Deutschland wünsche sich weiterhin einen geordneten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU.

Auch Mays Nachfolger werde damit leben müssen, dass die EU nicht neu über den Brexit verhandeln werde, meint Friedbert Meurer. Dadurch steige die Gefahr eines No-Deal-Brexits. Nach dem jetzigen Stand wird Großbritannien zum 31. Oktober die EU verlassen.