Die Berliner Band Grossstadtgeflüster hat mit "Meine Couch" eine Hymne für das Rumhängen auf dem heimischen Sofa geschrieben. Damit trifft sie ein aktuelles Lebensgefühl: Zu Hause bleiben, statt feiern gehen.

Die großen Gefühle unserer Zeit sind für die Bandmitglieder von Grossstadtgeflüster "Liebe" und die "eigene Couch". Zumindest beschreibt es Sängerin Jen Bender so, wenn sie von ihrem Sofa spricht, das sie von ihren Großeltern geerbt hat. Das hat weniger mit dem Möbelstück an sich zu tun, sondern eher mehr mit dem damit verbundenen Lebensstil.

"Gerade jetzt in einer Zeit, in der die Uhr immer schnell tickt, und wir in 24 Stunden viel mehr reinquetschen möchten, als da eigentlich reinpasst. Da hat die Sehnsucht nach Entschleunigung einen Riesenmarkt aufgemacht."
Jen Bender, Mitglied der Band Grossstadtgeflüster

Mal einen Gang zurückschalten und sich ein bisschen aus dem Alltag zurückziehen, das erzählt uns die Band auf ihrem neuen Album "Trips & Ticks". Aber nicht mit den auf Social Media propagierten Selbstliebe-Tools wie Yogastunden und Meditationsapps, sondern einfach mit dem guten alten Gammeln zu Hause.

Sofa als antikapitalistisches Symbol

Im dazugehörigen Video zum Song "Meine Couch" können wir Jen dabei zuschauen, wie sie im Jogger auf dem Sofa liegt, sitzt, isst und raucht. Irgendwie eine intime Situation, die aber absolut nicht gestellt ist. Sie sagt von sich selbst, dass sie eine Meisterin des Chillens sei. Bandkollege Raphael Schalz braucht dafür schon einen richtigen Anlass. Er bleibt am liebsten dann zu Hause, wenn er etwas Unangenehmes zu tun hat wie Meetings.

"Es ist wie Schwänzen in der Schule. Ich drücke mich gern vor Zahlengeschichten, vor Meetings. Dann kann ich sehr gut chillen und es fühlt sich gut an."
Raphael Schalz, Mitglied der Band Grossstadtgeflüster

Jen und Raphael leben in Berlin, in einer Stadt, die das Feiern und Ausgehen erfunden hat. Die Clubs haben quasi durchgehend geöffnet, Kneipen gibt es soweit das Auge reicht und jede bekannte Band spielt mindestens ein Konzert in der Stadt. Möglichkeiten über Möglichkeiten, sich die Nächte um die Ohren zu hauen. Jen ist gebürtige Berlinerin und kannte das Gefühl von "FOMO" beziehungsweise "Fear of missing out" nur allzu gut. Inzwischen lässt sie sich höchstens noch mal spontan treiben, auf geplantes Feiern gehen hat sie allerdings keinen Bock mehr.

"Irgendwann hast du alles gesehen und weißt, wenn du nicht dagewesen bist, hast du auch nichts verpasst."
Jen Bender, Grossstadtgeflüster

Dann wird aus einer Angst etwas zu verpassen, auf einmal die Gewissheit, dass eine einzige Partynacht nicht die Welt verändern wird. Oder wie die Profis auf diesem Gebiet sagen würden – JOMO: Joy of missing out.