Nicht überall, wo nachhaltig draufsteht, steckt eine nachhaltige Geldanlage drin. Und selbst, wenn Anleger nachhaltiger investieren, ändert das nichts an der Nachhaltigkeit der Gesamtwirtschaft.

Aktien von Öl- und Rüstungsfirmen würden wohl die wenigsten als nachhaltig einstufen. Sie können trotzdem Teil von als nachhaltig gekennzeichneten Aktienfonds sein.

"Nachhaltig ist kein geschützter Begriff. Jeder Anbieter entscheidet selbst, was das bedeutet."
Nico Rau, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Welche der Geldanlagen als nachhaltig bezeichnet werden, können die Anbieter selbst entscheiden. Ob klimafreundlich oder arbeitnehmerfreundlich - die Bezeichnung lässt sich unterschiedlich auslegen.

Auf EU-Ebene wird noch diskutiert, ein einheitliches Siegel einzuführen, aber bisher gibt es kein offizielles und nachweislich unabhängiges Zertifikat, das die Nachhaltigkeit von Finanzprodukten kennzeichnet.

Schmutzige Aktien: Irgendein Käufer findet sich immer

Zum Problem der nicht eindeutigen Definition des Nachhaltigkeits-Begriff bei Investment-Produkten kommt ein weiteres:

Selbst wenn Anlegerinnen und Anleger beispielsweise vermehrt in Aktien und Unternehmensanleihen klimafreundlicher Unternehmen investieren, macht das die Gesamtwirtschaft nicht zwangsläufig nachhaltiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Leibniz Institute for Financial Research.

Wenn ein Anleger beispielsweise in Ökostrom investiert und dafür Aktien eines Kohlestrom-Produzenten verkauft, um sein Aktienportfolio nachhaltiger zu gestalten, so sind die Kohle-Aktien weiterhin im Handel. Sie werden dann von anderen Anlegern gekauft. Das heißt, die Wertpapiere wechseln einfach nur die Hand, bleiben allerdings Teil des gesamtwirtschaftlichen Kreislauf.

"Solange es irgendjemand auf der Welt gibt, der auch die schmutzigen Dinge kauft, ist nicht viel passiert."
Marcel Thum, Professor für Volkswirtschaftslehre an der TU Dresden

Selbst, wenn sehr viele Aktien eines Unternehmens verkauft werden, weil sie niemand mehr haben will, ist der Nachhaltigkeits-Effekt laut der Studie gering. Man könnte annehmen: Je mehr Aktien verkauft werden, desto geringer ist ihr Preis, weil die Nachfrage sinkt und das Angebot steigt. Und je geringer der Preis, desto schlechter fürs Unternehmen und desto eher stellt es um auf ein nachhaltiges Geschäftsmodell.

So läuft es aber nicht. Was stattdessen passiert:

Irgendwo auf der Welt findet sich immer ein Investor, der Aktien von nicht-nachhaltigen Unternehmen kauft, egal wie schlecht das Image ist. Das Unternehmen produziert weiter und hat weiterhin einen negativen Effekt auf zum Beispiel Klima und Arbeitsbedingungen.

Der Professor für Volkswirtschaftslehre Marcel Thum, der an der Studie des Leibniz Institute for Financial Research mitgearbeitet hat, geht davon aus, dass jedes Geschäft so lange weitergeführt wird wie es legal und rentabel ist.

Auch Firmenanleihen bringen nichts

Ein anderes Modell als die Aktien sind nachhaltige Firmenanleihen. Dabei leiht man Firmen Geld, die sich verpflichten, damit etwas nachhaltiges zu tun - zum Beispiel Solarzellen auf dem Dach zu installieren.

Auch hier gibt es keine Garantie, dass das Geld sinnvoll eingesetzt wird. Es lässt sich einfach nicht überprüfen. Denn: Das Geld aus der grünen Firmenanleihe fließt in die Gesamtbilanz des Unternehmens mit ein. Von welchem Geld am Ende was bezahlt wird, lässt sich nicht nachhalten.

Hinzu kommt: Womöglich hätte das Unternehmen so oder so Solarzellen auf dem Dach gekauft, unabhängig davon, ob das Geld aus einer nachhaltigen Firmenanleihe stammt oder aus einem herkömmlichen Kredit. Der positive Effekt der Firmenanleihe verpufft.

"Es gibt bessere Wege"

Die Politik müsse handeln, sagt Marcel Thum, und an mancher Stelle geschehe das schon. Seine Empfehlung: Über die CO2-Bepreisung könne man da eingreifen, wo das Probleme entstehe, statt den Umweg über die Finanzierung eines Unternehmens zu wählen.

Konkret bedeutet das: Ein Unternehmen, das weniger CO2 ausstößt, zahlt weniger für CO2-Zertifikate. Damit wird ein direkter Anreiz geschaffen, und der Effekt ist messbar.