Bei Festival- und Konzertveranstaltern nimmt das Bewusstsein für Klima- und Nachhaltigkeitsfragen zu. Zu oft hapert es allerdings noch an der Umsetzung, meint Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Krissy Mockenhaupt.

Bis zum Jahr 2030 sollen 65 Prozent der CO2-Emissionen eingespart werden, und bis 2045 soll Deutschland komplett klimaneutral sein. So sieht es das Klimaschutzgesetz vor. Um das erreichen zu können, muss jede Branche umdenken, auch die Musik- und Veranstaltungsbranche. Denn sie ist einer der größten Wirtschaftszweige in Deutschland.

Wie nachhaltige Live-Auftritte aussehen können, das hat beispielsweise die Band Radiohead vorgemacht: Schon 2008 ging sie mit einem Nachhaltigkeitskonzept auf Tour. Dafür mietete die Band Sound- und Lichtsysteme vor Ort, statt das Equipment einmal um die halbe Welt zu fliegen.

"Die Fananreise hat den größten ökologischen Fußabdruck bei Konzerten und Festivals."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Krissy Mockenhaupt

Zudem entschied die Band, nur dort zu spielen, wo es einen guten öffentlichen Nahverkehr gibt - damit die Fans nach Möglichkeit mit Bus und Bahn zum Konzert kommen, berichtet unsere Reporterin Krissy Mockenhaupt. Wer mit dem ÖPNV anreiste, bekam einen früheren Einlass. Derartige Konzepte sind besonders wichtig, verursacht die Anreise doch den größten ökologischen Fußabdruck bei Veranstaltungen.

ÖPNV statt Individualverkehr

Bei manchen Veranstaltungen ist heute im Preis für das Konzertticket bereits die An- und Abreise mit dem öffentlichen Nahverkehr enthalten. "Bei einem Konzert ist so eine Anreise einfacher als bei einem Festival, wo man noch Zelt und anders Zeug hat", sagt Krissy Mockenhaupt. Doch auch da haben sich Veranstalter schon einiges einfallen lassen.

"Beim Schweizer Open Air St. Gallen gibts etwa 50 Prozent Preisnachlass auf Bahntickets - und die Parkplätze sind da ganz schön teuer", so unsere Reporterin. "Dafür zahlt man umgerechnet knapp 15 Euro am Tag." Laut Veranstalter sind 2019, als das Festival das letzte Mal stattgefunden hat, immerhin über 80 Prozent der Besucher*innen ohne Auto gekommen.

Viele kleine Initiativen

Doch bei den Zelten ist nicht nur das Mitbringen ein Problem. Viele lassen sie nach dem Festival einfach auf dem Campingplatz zurück. "Auf ein paar Festivals gibt es deshalb Sammelstellen für Zelte, Isomatten und Schlafsäcke", sagt Krissy Mockenhaupt. Die werden dann an Obdachlose gespendet.

Andernorts gibt es eine Art Zeltpfand. Dann müssen Besucher*innen, die ein Zelt mitbringen, ein Pfand bezahlen und bekommen dafür eine Pfandmarke. Wer das Geld wiederhaben will, muss das Zelt am Ende auch wieder raustragen.

Außerdem setzen inzwischen einige Künstler*innen bei ihren Konzerten auf wiederverwendbare Plastikbecher. Teilweise werden Trinkwasserspender aufgestellt, wo eigene Flaschen aufgefüllt werden können. So soll Plastikmüll vermieden werden. Manche Festivals achten auch beim Catering besonders darauf, dass es ein großes Angebot an vegetarischem oder veganem Essen gibt – oder dass es fair, bio und/oder lokal ist.

"Ich finde eine Idee von der Band 'The 1975' geil. Die verkaufen gar kein eigenes Merch mehr, sondern man bringt ein altes Shirt mit und kann sich das auf der Tour bedrucken lassen."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Krissy Mockenhaupt

Übrigens gibt es auch beim Merchandising kreative Ideen, wie Krissy Mockenhaupt berichtet: Stoffe sind nicht nur bio oder faitrade. Die Band "The 1975" geht noch einen Schritt weiter und verkauft gar keine eigenen Shirts mehr - sondern bedruckt Klamotten, die die Fans selbst mitbringen.

Green Touring noch eher die Ausnahme

Auch wenn es viele einzelne Initiativen gibt, fehle noch das große Umdenken in der Branche, meint der Nachhaltigkeitsexperte Stefan Lohmann. Denn nur so könnten nachhaltige Ideen wirklich etwas bewirken.

"Wenn man in Deutschland versucht, eine nachhaltige Tour zu machen, scheitert das schon am Ökostrom", sagt er. "Ein Künstler, der klimaneutral touren will, hat gar nicht die Möglichkeiten in Deutschland. Der muss das am Ende kompensieren."