Wann kommt Entspannung in unserem Leben zu kurz und wann sind wir vielleicht doch auch mal zu faul? Wir sprechen mit Amelie darüber, warum es ihr manchmal schwerfällt, zu erkennen, wie viel sie leistet. Der Psychologe Viktor Vehreschild lehrt in Seminaren, wie wir zu mehr Balance finden und erklärt im Podcast, wie wir uns besser einschätzen können.

Amelie hat gerade ihr Staatsexamen in Jura geschafft und eine Corona-Erkrankung hinter sich. Aktuell liegt sie häufig im Bett und fragt sich, ob das noch in Ordnung oder sie vielleicht doch zu faul ist. Amelies Umfeld meint es gut mir ihr und gönnt ihr Pausen, aber sie selbst zweifelt, ob die Freunde es wirklich ernst meinen und Amelie insgeheim nicht für genauso faul halten wie sie sich selbst.

"Wenn andere faul im Bett liegen, denke ich, das ist cool, aber bei mir selber habe ich den Anspruch, immer produktiv zu sein."
Amelie über Selbst- und Fremdwahrnehmung

Mit ihren Freunden ist Amelie nicht so streng wie mit sich selbst und findet es wirklich in Ordnung, Pausen einzubauen. In einer Therapie versucht sie der Frage auf den Grund zu gehen, warum sie so hart mit sich ist. Amelie hat eine Angststörung.

Achtsam mit sich umgehen

Früher dachte Amelie, dass sie die Angststörung und ihre Panikattacken vielleicht nur als Ausrede nutzt, um nicht zur Uni gehen zu müssen. In der Therapie hat sie aber erkannt, dass ihr die Uni eigentlich viel Spaß macht, dass sie gerne studiert – und das macht es eher unwahrscheinlich, dass sie faul ist.

Amelie Ebner
© privat
Amelie Ebner

Amelie sitzt wegen einer Querschnittslähmung im Rollstuhl. Für jede Bewegung nutzt sie ausschließlich ihre Arme. Das ist anstrengend, und ihre Energien sind schneller verbraucht als bei Menschen ohne Behinderung. Diesen Unterschied berücksichtigt sie inzwischen, wenn sie mal wieder zu hart und auf eine Art auch ableistisch über sich selbst urteilt.

Selbsterkenntnis durch Listen

Als Hilfsmittel, um sich besser bewusst zu sein, was sie wirklich alles Tolles schafft, schreibt Amelie inzwischen Listen.

"Mir hilft Listen schreiben, um zu erkennen, was ich alles erreicht habe."
Amelie über eine gute Hilfe, sich selbst besser einschätzen zu können

Auf denen hält sie ihre Erfolge fest oder hakt To-Dos ab, um sich selbst besser einschätzen zu können. Viele bewundern sie für das, was sie erreicht hat. Die Listen und die Therapie helfen Amelie inzwischen zu sehen, dass sie gar nicht so unproduktiv war.

Aber Amelie ist bei Weitem nicht der einzige Mensch, der sich mit Perfektionismus und eingefahrenen Glaubenssätzen rumschlägt. Viele Menschen haben Probleme damit, erspüren zu können, was sie gerade brauchen. Im Weg stehen dabei häufig Glaubenssätze, die in der Vergangenheit erlernt wurden, sagt Psychologe und Coach Viktor Vehreschild. Zum Beispiel der folgende Satz:

„Ich bin nur ein liebenswürdiger Mensch, wenn ich viel arbeite und schaffe.“

Damit ihr solche Glaubenssätze hinter euch lassen könnt, rät der Psychologe, sich selbst besser kennenzulernen und zu verstehen, mit welchen Annahmen wir durch's Leben gehen.

"Der erste Schritt für Veränderung ist, dich selbst und deine gedanklichen Muster zu erkennen."
Psychologe und Coach Viktor Vehreschild über Wege aus den Selbstzweifeln

Das Erkennen persönlicher Annahmen und Glaubenssätze ist eine gute Grundlage, diese auch mal zu hinterfragen. Viktor Vehreschild rät, sich vorzustellen, was passieren würde, wenn wir nur 100 Prozent und nicht 120 Prozent geben.

Wenn wir dann selbst begreifen, dass die Folgen gar nicht gravierend sind, können wir versuchen, unsere innere Bewertung der Situation zu verändern. Wenn aber andere Menschen Ansprüche an uns stellen, bei denen wir ein komisches Gefühl haben, ist es wichtig "mit sich in Kontakt zu gehen", so der Psychologe: In Ruhe in sich hineinhorchen, vielleicht meditieren – so lässt sich herausfinden, wo die eigenen Bedürfnisse wirklich liegen, erklärt Viktor Vehreschild.

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