Der britischen Zeitung Guardian wurden Dokumente zugespielt, die zeigen, wie die Terrormiliz IS ihren Staat aufbauen will. In den Papieren ist zum Beispiel die Rede davon, dass die Islamisten ein unabhängiges Wirtschaftssystem aufbauen wollen. So sollen etwa Waffen, aber auch Produkte des täglichen Bedarfs selbst produziert werden.

Die Unterlagen kommen laut Guardian von einem Geschäftsmann, der mit der Terrormiliz IS Geschäfte macht. Von dem sind sie dann über einen Wissenschaftler, der sich schon seit Längerem mit dem IS befasst, an die Zeitung gekommen. Genauere Details möchte der Guardian nicht bekannt geben - um den Informanten nicht zu gefährden, berichtet Francisca Zecher aus der DRadio-Wissen-Nachrichtenredaktion.

Unabhängige Wirtschaft und Geburtenkontrolle

Die finanzielle Basis für den IS-Staat kommt unter anderem aus dem Verkauf von Öl und Antiquitäten sowie den vielen Steuern und Strafgeldern, die der IS erhebt. In den Dokumenten geht es auch um eine Art Außenministerium, das die Außenbeziehungen des IS steuern soll sowie um Pläne für ein Gesundheitssystem. Die New York Times berichtete in diesem Zusammenhang bereits, dass der IS offenbar versucht, eine Art Geburtenkontrolle zu betreiben.

"Der IS will nicht, dass Kämpfer Kinder bekommen, weil er befürchtet, dass sie dann nicht mehr als Selbstmordattentäter eingesetzt werden wollen."
Francisca Zecher, DRadio-Wissen-Nachrichten

Ausbildung und Erziehung sind für die Islamisten des IS ebenfalls ein zentrales Thema: Den Menschen in ihrem Einflussbereich soll demnach nicht nur ihre Ideologie möglichst früh eingetrichtert werden. Kinder sollen auch an leichten Waffen ausgebildet und zum Beispiel an Checkpoints eingesetzt werden.

Nicht nur ein Haufen Fanatiker

Wer diesen angestrebten Staat aber tragen soll, da wird es für die Islamisten problematisch. "Dem IS fehlen schlicht die Fachleute", sagt Francisca Zecher. Zu viele Menschen fliehen vor dem Terror-Regime der IS-Miliz. Besonders gravierend ist dieses Problem laut Informationen des Guardian im Gesundheitswesen: Da droht der IS geflohenen Ärzten offenbar damit, Eigentum zu konfiszieren, wenn sie nicht zurückkommen. Außerdem haben viele Geflohene Angst vor der Rache des IS - die auch Familienangehörige treffen kann.

Welche Schlussfolgerungen können aus diesen geleakten Informationen gezogen werden? Ein britischer General, der auch schon gegen den IS im Einsatz war, hat im Guardian erklärt: Diese Dokumente zeigten klar, dass der IS nicht nur ein Haufen fanatischer Kämpfer sei. Dementsprechend müsse man die Strategie, ihn zu bekämpfen, anpassen.