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Nur ein Teil der Taliban ist bereit, weltweit für den Dschihad zu kämpfen, sagt Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Aus der Ferne angeleitete Anschläge bleiben das Hauptproblem.

Nach den Anschlägen vom 11.09.2001 in den USA waren Islamisten des Netzwerks al-Qaida in Afghanistan der Grund für den Einmarsch der US-Streitkräfte und ihrer Alliierten. Die afghanischen Taliban waren eher ein nachgeordnetes Problem.

In der Tat haben wir auch heute von den Mainstream-Taliban wenig zu befürchten, sagt Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Angeleitete Anschläge als Problem

Problematisch blieben islamistische Anschläge, deren Täter über soziale Netzwerke rekrutiert und dann aus der Ferne angeleitet werden. Guido Steinberg sagt: "Das ist auch das Szenario, auf das wir uns in Verbindung mit Afghanistan vorbereiten müssen."

"Wir haben das bei dem Anschlag in Nizza 2016 gesehen. Solche angeleiteten Anschläge können tatsächlich sehr gefährlich werden."
Guido Steinberg, Stiftung Wissenschaft und Politik

Guido Steinberg hält die Schätzung für realistisch, dass rund zehn Prozent der Taliban bereit sind, weltweit jihadistisch zu wirken. Das wären rund 7000 bis 10.000 Kämpfer. Hinzu kämen allerdings noch Araber, Usbeken und Tadschiken in Afghanistan, die auch gerne international aktiv werden wollten.

"Schätzungen gehen von bis zu 20 Prozent der Taliban insgesamt aus, die globale jihadistisch orientiert sein sollen. Mir kommt diese Zahl zu hoch vor. Gehen wir mal von zehn Prozent aus."
Guido Steinberg, Stiftung Wissenschaft und Politik

Es sei schon in der Vergangenheit das Problem gewesen, dass die Taliban radikaleren Gruppen Rückzugsmöglichkeiten geboten hätten.

Gewalt für die Welt

In Afghanistan hätten radikale afghanische und zentralasiatische Gruppen Schutz gefunden. Gruppen, die durchaus bereit gewesen seien, islamistische Gewalt in die weite Welt zu tragen.

"Die Taliban, auch zwischen 1996 und 2001, haben kaum ein Interesse daran gezeigt, international tätig zu werden."
Guido Steinberg, Stiftung Wissenschaft und Politik

Nur ein kleiner Teil der Taliban sei stärker global orientiert. Diese seien vor allem in dem sogenannten Haqqani-Netzwerk organisiert. Von ihnen gehe durchaus eine Gefahr für Pakistan und andere Länder aus. Diese einzuschätzen, ist allerdings schwieriger geworden. Guido Steinberg weist darauf hin, dass die westlichen Auslandsgeheimdienste nun mit einem weitaus dünneren Informationsaufkommen arbeiten müssen.

"Wir wissen in den kommenden Monaten sehr viel weniger über al-Qaida, über Usbeken, über die Taliban, als in den Jahren zuvor."
Guido Steinberg, Stiftung Wissenschaft und Politik