Weniger Reisen, kein Händeschütteln, Mundschutz und Desinfektionsmittel an jeder Ecke - das soll nicht nur das Corona-Virus eindämmen, sondern sorgt gleichzeitig dafür, dass wir uns mit anderen Krankheiten dieses Jahr sehr viel weniger anstecken. Vor allem der erste Lockdown hat die Ausläufer der letzten Grippe-Welle fast vollkommen ausgebremst.

Der Lockdown kommt und mit ihm viele weitere Einschränkungen. Allerdings gibt es auch viele gute Seiten daran. Eine ist zum Beispiel, dass durch die Maßnahmen andere Krankheitserreger dieses Jahr kaum eine Chance haben. Das zeigt sich vor allem bei Influenza-Viren oder einfachen Schnupfenerregern wie den Rhino-Viren.

"Schon im September begannen die Zahlen der Grippe-Infektionen zu sinken. Hier zeigen schon die ersten Einschränkungen eine deutliche Wirkung, leider mehr auf Influenzaviren, als auf Sars-CoV-2."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Das Robert-Koch-Institut beobachtet dieses Jahr einen deutlichen Anstieg ernsthafter Atemwegsinfektionen. So viele wie in einem besonders schweren Grippejahr, sagt Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth. Nur, dass sie dieses Jahr nicht durch die Grippe, sondern zu knapp 60 Prozent durch Sars-Cov-2 verursacht werden.

Der erste Lockdown im März habe bereits dazu geführt, dass die Ausläufer der letzten Grippewelle ausgebremst wurden. Ende August begannen die Zahlen der Grippeinfektionen so wie üblicherweise zu steigen - doch schon im September sanken die Zahlen wieder.

Auch Durchfall- und andere Erkrankungen sinken

Der Rückgang von Infektionen gilt nicht nur für Atemwegserkrankungen. Auch zum Beispiel Durchfallerkrankungen treten im Vergleich zum Vorjahr seltener auf. Infektionen mit Rota-Viren sind auf gerade einmal um 17 Prozent zurückgegangen.

Ähnliches gilt für Noroviren, die besonders in Altenheimen oft ein Problem sind. Durch die Kontaktbeschränkungen gab es sehr viel weniger Möglichkeiten für die Viren, überhaupt erst in die Heime zu gelangen.

"Besonders auffällig: Masernanfälle bei Kindern sind um 80 Prozent zurückgegangen. Es könnte aber sein, dass die nur aufgeschoben sind und die nicht geimpften Kinder die Infektionen nächstes Jahr sozusagen nachholen."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Vor allem Kinder werden aktuell seltener krank. Besonders auffällig ist das bei Masern-Ansteckungen. Geschlossene Kitas, Schulen, kleinere Kindergeburtstage und Vorsicht auf dem Spielplatz sorgen dafür, dass es sehr viel weniger Ansteckungsmöglichkeiten gibt, sagt Volkart Wildermuth.

Reisekrankheiten um ein Drittel gesunken

Erreger aus anderen Ländern haben dieses Jahr auch kaum eine Chance. Der eingeschränkte Flugverkehr sorgt dafür, dass typische Reisekrankheiten wie Denguefieber, Typhus oder Chikungunya um ein Drittel gesunken sind.

Aber dafür zeigte der Heimaturlaub seine Auswirkungen: Die Deutschen steckten sich dieses Jahr viel öfter mit FSME an - die von Zecken übertragene Krankheit, die wir uns vor allem auf Wald und Wiesen einfangen.

"Generell melden sich die Leute seltener krank. Wohl aus Angst, sich beim Arzt anzustecken und weil sie im Homeoffice auch mit laufender Nase weiterarbeiten. Aber auch, weil es generell weniger Ansteckungen gibt."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Weniger Erreger, die unterwegs sind, bedeutet insgesamt weniger Infektionen. Jedenfalls melden sich sehr viel weniger Leute bei der Arbeit krank, sagt Volkart Wildermuth. Außerdem: Es gibt sehr viel weniger Frühgeburten. In Dänemark fiel die Zahl sogar um 90 Prozent. Das ist auf die verbesserten Hygiene zurückzuführen.

Mehr Zeit zu Hause bedeutet auch weniger Unfälle auf dem Weg zur Arbeit und beim Sport. Aber: Die Techniker Krankenkasse stellt einen Anstieg von psychischen Diagnosen für 2020 fest, berichtet Volkart Wildermuth. Die Angst vor Corona und die Einsamkeit im Lockdown fordern hier offenbar ihren Tribut.