Die Riesending-Schachthöhle auf dem Untersberg bei Berchtesgaden ist die tiefste und längste Höhle Deutschlands. Entdeckt wurde sie 2002 von dem Höhlenforscher Johann Westerhauser. Jetzt ist er am 9. Juni 2014 selbst in der Höhle von einem Steinschlag getroffen worden und verunglückt. Die Rettungsaktion wird noch Tage dauern und scheint selbst beinahe ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, wie der Journalist Lars Abromeit berichtet.

Vor ein paar Jahren ist Lars Abromeit selbst mit Johann Westerhauser in die Riesending-Höhle gestiegen. Sie zeichnet sich durch sehr tiefe und steile Schächte aus, beschreibt Lars Abromeit die Höhle. Die Passagen seien sehr eng, Canyons, müsse man umgehen oder Wasserfälle überqueren. Durch die Schächte hindurchzukommen, sei sehr schwierig.

"Die Riesending-Höhle ist eine der extremsten Höhlen in Deutschland, aber auch in Europa."
Lars Abromeit, Journalist

Das Ziel der Expedition von Johann Westerhauser und Lars Abromeit war damals, das Telekommunikationssystem Cave-Link einzurichten, mit dem unter der Erde kommuniziert werden kann und das jetzt auch bei der Rettung eingesetzt wird.

Dafür sind die beiden bis zum Lager eins hinabgestiegen, 350 Meter unter der Erdoberfläche. Auf dem Weg mussten sie sich durch einen sehr tiefen Schacht abseilen, den sie nicht mit der Stirnlampe ausleuchten konnten.

"Der Schacht war so groß, da könnte man locker die Türme vom Kölner Dom reinstellen."
Lars Abromeit, Journalist

Im Nachhinein sagt Lars Abromeit, sei er froh gewesen, so einen erfahrenen und sicheren Begleiter wie Johann Westhauser dabei gehabt zu haben, weil der selbst so tief unten dann doch leicht panisch reagierte. "Es gibt dort Stellen, da kommt man schon als gesunder Mensch kaum durch," erzählt Lars Abromeit.

Schwer bezwingbare Höhle

Selbst als gesunder Mensch sei man nicht in der Lage, in einem Tag den ganzen Weg von der Unfallstelle bis zum Höhleneingang zurückzulegen, deshalb gibt es verschiedene Lager in der Höhle für die einzelnen Etappen.

"Man muss sich das vorstellen wie eine umgekehrte Himalaya-Expedition - bloß eben in die Tiefe."
Lars Abromeit, Journalist

In der Tiefe gäbe es Gefahren, die auch erfahrene Forscher nicht komplett ausschließen könnten, erklärt Lars Abromeit - dazu gehört auch Steinschlag oder Wassereinbruch. Die Höhlenforscher müssen sich an Seilen herablassen oder hinaufziehen und brauchen eine unglaublich gute körperliche Fitness.

"Der Johann ist einer der stärksten Höhlenforscher, den ich bisher kennengelernt habe. Er hat auch immer eine mentale Stärke ausgestrahlt und immer darauf geachtet, wie es den anderen geht."
Lars Abromeit, Journalist

Warum Forscher derartige Strapazen und Gefahren auf sich nehmen, kann Lars Abromeit gut verstehen. Die Welt unter der Erde müsse erst noch kartiert werden. "Es ist einfach so, dass die Höhlen so eine große Faszination ausüben, weil man dort noch Neuland entdecken kann," erklärt Lars Abromeit den Forscherdrang.

Grundlage für andere Forscher

Die Vermessung der Höhlen sei eine sehr wichtige Grundlage für andere Wissenschaftler wie Mikrobiologen, die nach neuen Lebensformen suchen, oder Hydrologen, die nach Wasserwegen forschen. Sie bauten auf die Kartierungsarbeit der Höhlenforscher auf, weil sie sonst gar nicht wüssten, dass sich dort eine Höhle befindet.

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