Haare können so einiges mehr über uns verraten als nur die Zeit, die wir morgens mit ihnen im Badezimmer verbringen: Sie können sagen, was wir essen, wie es uns geht oder wo wir leben.

Wie Haare beispielsweise etwas über unseren Speiseplan verraten, haben Forschende der Universität Utah herausfinden wollen. Dafür haben sie die Haarproben aus insgesamt 65 Friseursalons quer durch die USA auf ihre Zusammensetzung von Kohlenstoff-Isotopen untersucht. Diese Methode lässt Rückschlüsse auf die Proteinzusammensetzung der Haare zu. Sie konnten also anhand der unterschiedlichen Eiweißzusammensetzung in den Haaren erkennen, was die Menschen in letzter Zeit gegessen hatten.

Viel Fleisch, viel Fastfood

Die Forschenden fanden durch die Analyse der Haare heraus, dass Amerikanerinnen und Amerikaner sehr viel Fleisch und Fast Food zu sich nehmen. Rund ein Viertel der untersuchten Personen sollen sogar jeden Tag Fast Food gegessen haben.

Das konnten die Forschenden so genau sagen, da sie in den Haaren nicht nur die tierischen Eiweiße aus dem Fleisch nachweisen konnten, sondern sogar noch die Spuren von Futtermais. Sie fanden zudem heraus: Je ärmer die Personen waren, desto mehr Fleisch aßen sie.

Haare als Gesundheitsausweis

Haare können aber noch deutlich mehr über uns verraten, sie sind zum Beispiel auch eine Art erstes Zeichen, wie es unserem Körper gesundheitlich geht, sagt die Dermatologin Yael Adler. Sehen die Haare krank aus oder fallen ungewöhnlich stark aus, ist das ein Zeichen dafür, dass irgendetwas im Körper nicht stimmt. Haare verraten etwas darüber, wie es unseren Organen und unserem Darm geht, zeigen Hormonstörungen oder Probleme im Nervensystem auf.

"Man liest eine Menge an den Haaren ab, auch was die Organgesundheit anbelangt, das Nervensystem, die Hormone, auch die Darmflora."
Yael Adler, Dermatologin

Deswegen schaut sie sich die Haare ihrer Patientinnen und Patienten immer genau an. Eine Schilddrüsenerkrankung lässt sich beispielsweise an dünnen oder auch glanzlosen Haaren erkennen. Auch, wenn Haare ausfallen, entsteht dabei meistens ein spezielles Muster, das zum Beispiel darauf hindeuten kann, dass zu viele männliche Hormone vorliegen, erklärt Yael Adler.

Gute Biomonitore

Haare sind ganz allgemein sehr gute Biomonitore. Das bedeutet, dass die Informationen in ihnen leicht zu bekommen sind und vor allem in hoher Konzentration gespeichert sind, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Christian Schmitt. Kriminologen können an den Haaren Drogenkonsum ablesen, Sportler können durch ihre Haare des Dopings überführt werden. Bei der Spurensuche können Haare dabei helfen, eine Person zu identifizieren.

"Haare sind ein guter sogenannter Biomonitor. Das heißt, dass da Informationen leicht zugänglich und vor allem in hoher Konzentration gespeichert sind."
Christian Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

So hat der Studienleiter der Speiseplan-Haar-Analyse bereits in einer anderen Studie mit Hilfe der Haare nachweisen können, wo sich Tote in den letzten Wochen ihres Lebens aufgehalten haben. Dafür hatten sich die Forschenden die Zusammensetzung von Sauerstoff- und Wasserstoff-Isotopen im Haar angesehen und mit der Zusammensetzung in verschiedenen Regionen abgeglichen. So konnten sie Beispielsweise herausfinden, ob eine Leiche vorher in Texas oder in Utah gelebt hat.