Vermutet haben es viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon länger: Wer viel Stress hat, bekommt auch schneller graue Haare. Und obwohl sich zunehmend der sogenannte Granny-Hair-Trend auch bei jungen Menschen durchsetzt und sie sich mit Absicht die Haare grau färben, gibt es viele, denen es vor dieser Vorstellung graut.

Zu viel Stress sorgt schneller für ein graues Haupt. Zu dieser These kommt ein Forschungsteam aus Brasilien und den USA dank Versuchen mit Mäusen. Sie konnten an Mäusen mit schwarzem Fell beobachten, dass ihr Fell unter Stress schneller ergraute als auf natürliche Weise. Grund dafür sollen Stresshormone und Stammzellen in der Kopfhaut sein. In den Versuchen der Forschenden spielten zwei Stammzellen-Arten von Haaren eine Rolle: zum einen Haarfollikel-Stammzellen und zum anderen Melanozyten-Stammzellen.

Weniger Melanin, schneller graue Haare

Diese Stammzellen produzieren Melanine, also Farbpigmente, die bei den Mäusen dafür sorgten, dass aus ein und derselben Haarwurzel über einen bestimmten Zeitraum stets schwarze Haare nachwuchsen, erklärt Kathrin Sielker aus den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten. Und auch beim Menschen ist Melanin dafür verantwortlich, dass jemand schwarze, braune, rote oder blonde Haare hat. Wie lange wir diese Haarfarben auf natürliche Weise tragen, hängt davon ab, wie viele Melanozyten-Stammzellen wir haben, erklärt Kathrin Sielker. Dieser Vorrat an Stammzellen war bei den Mäusen schneller erschöpft, wenn die Forschenden die Tiere extra mit der Zugabe von bestimmten Hormonen unter Stress setzten.

"Stress ist nicht gleich Stress."
Kathrin Sielker, DlF- Wissensnachrichten

Allerdings gibt es unterschiedliche Arten von Stress, mit unterschiedlichen Funktionen. Stress sorgt im Allgemeinen im Körper dafür, dass unser Körper in höhere Leistungsbereitschaft versetzt wird. Laut der Studie färbt ein spezielles Hormon, das bei akuten Stress ausgelöst wird, die Haare grau: Noradrenalin. Dieses Hormon wird in den Nebennieren produziert und erhöht, ähnlich wie Adrenalin, den Blutdruck. Das sorgt dafür, dass wir Achterbahnen aushalten, Prüfungssituationen standhalten oder Schocknachrichten verarbeiten können, erklärt Kathrin Sielker. Doch auf Dauer sorge Noradrenalin für eine Schwächung des Herzkreislaufsystems, weil es die Blutgefäße zusammenziehe. Und es gibt einen weiteren Nebeneffekt: Es greift die Melanozyten-Stammzellen an. Und sorgt so fürs graue Haar.

Nicht eins zu eins auf Menschen übertragbar

Wichtig: Die Ergebnisse der Studie können nicht hundertprozentig auf uns übertragen werden. Bisher untersuchten die Forschenden nur Mäuse. Die Gene der Nagetiere ähneln allerdings zu 95 Prozent denen von Menschen. Darum verlaufen viele Krankheiten oder Medikamente, die an Mäusen erforscht werden, bei Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit ähnlich. Die Forschenden wollen ihre Ergebnisse dazu nutzen, ein Mittel gegen graue Haare zu entwickeln.