In Deutschland gibt es 68 Haftplätze für Mütter mit Kindern. Muss eine Mutter also in Haft und möchte ihr Baby mitnehmen, stehen die Chancen schlecht, tatsächlich auch einen solchen Haftplatz zu bekommen.

Prominenter Fall einer Mutter im Gefängnis ist Schwesta Ewa: Die Rapperin ist wegen Steuerhinterziehung und Körperverletzung zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Ihr Antrag, ihr Baby mitzunehmen, wurde abgelehnt. Nun sitzt sie im Gefängnis, in einer Justizvollzugsanstalt, in der sie ihr Kind nicht mitnehmen kann.

"Es muss klar sein, dass die Mutter nicht in irgendeiner Form als gefährlich gilt. Das ist bei Schwesta Ewa der Fall: Sie gilt als hoch manipulativ."
Heike Borufka, Gerichtsreporterin vom HR und Podcasterin

Exakte Regeln, wann eine verurteilte Mutter ihr Kind in die Haft mitnehmen darf und wann nicht, gibt es nicht. "Da wird immer der Einzelfall geprüft", sagt Heike Borufka. Sie ist Gerichtsreporterin und Podcasterin bei "Verurteilt! Der Gerichtspodcast". Es gibt aber durchaus einige formale Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen:

  • Es müssen Vorschulkinder sein
  • Kostenübernahme muss geklärt sein
  • Stellungnahme des zuständigen Jugendamtes
  • Krankenversicherungsschutz des Kindes muss gewährleistet sein
  • Die Frau darf nicht als gefährlich gelten

In erster Linie geht es immer um das Kindeswohl, sagt Heike Borufka. Die Frage sei immer: "Geht es dem Kind besser, wenn es beim Vater draußen ist, oder ist es für das Kind besser, wenn es mit in den Knast kommt?"

Schutz der Kinder an erster Stelle

Nicht jede JVA ist geeignet, Kinder zu beherbergen. "Die Kinder sollen geschützt sein", sagt Heike Borufka. Die Fenster und Gitter sind zum Beispiel sehr weit hoch angebracht, damit die Kinder nicht spüren, dass sie im Gefängnis sind. Dann gibt es Dinge, die typisch sind für Kinderzimmer: Es gibt Kinderbettchen neben der Pritsche für die Mutter, es gibt Wickelauflagen.

"Die Kinder sollen das Gefühl haben, nicht in einem Gefängnis zu sein. Sie sind nicht die Gefangenen."
Heike Borufka, Gerichtsreporterin vom HR und Podcasterin

Es gibt mehr Besonderheiten: Die Mitarbeitenden der JVA tragen keine Uniformen, sie laufen in ziviler Kleidung umher. Und die meisten Mütter haben sogar selbst einen Schlüssel für ihre Zelle. Auch haben die Kinder keinen Kontakt zu anderen Häftlingen, die ihnen womöglich gefährlich werden könnten. Die Mutter-Kind-Bereiche sind eigene Häuser, es gibt Kinderspielplätze auf einem eigenen Hof.

Väter bleiben alleine

Väter haben übrigens überhaupt keine Chance, ihre Kinder mit in die Haft zu nehmen. Allerdings bemühen sich einige JVAs darum, es Familien einfach zu machen. Dort gibt es Vater-Kind-Sonntage, Vätergruppen, längere Besuchszeiten.