Kaiser's Tengelmann wird nicht zerlegt. Für die Mitarbeiter ist das eine gute Nachricht. Trotzdem bleibt da ein Problem: In Deutschland gibt es zu viele Supermärkte.

Jetzt ist es raus: Edeka darf die Filialen von Kaiser's Tengelmann wohl doch übernehmen. Die Sondererlaubnis von Wirtschaftsminister Gabriel soll umgesetzt werden. Darauf haben sich gestern Abend die Supermarkt-Chefs und die Gewerkschaft Verdi geeinigt. Hätte das nicht geklappt, wäre die Supermarktkette in ihre Einzelteile zerlegt worden, wodurch viele Jobs weggefallen wären.

Für die Mitarbeiter ist das eine gute Nachricht. Wie es aussieht, bleiben ihre Jobs erhalten. Trotzdem stellt sich die Frage, ob es zu viele Supermärkte in Deutschland gibt. Wir leben in einem Land, das eine der größten Verkaufsflächen pro Einwohner hat, sagt Gerrit Heinemann, Handelsexperte von der Hochschule Niederrhein.

Oligopolistischen Strukturen

Die Preise wären in jedem Fall nicht gestiegen, wenn Kaiser's Tengelmann dichtgemacht hätte. Gerrit Heinemann spricht von oligopolistischen Strukturen. Es gibt bei den Supermärkten also wenige, dafür aber sehr große Anbieter. Und unter denen herrscht weiterhin ein großer Preisdruck.

Schon seit einiger Zeit fällt auf, dass Discounter ihr Angebot immer mehr ausweiten und zum Beispiel auch Luxusartikel anbieten. Experten sprechen von einem Trading up. Ein klares Zeichen dafür, dass die Discounter mit ihrem Angebot langsam eine Sättigungsgrenze erreichen, erklärt Gerrit Heinemann.

"Handel heißt Wandel - und von daher wird es bei den Supermärkten in Zukunft sicherlich anders aussehen als heute."
Gerrit Heinemann, Handelsexperte von der Hochschule Niederrhein

Internetgiganten wie Amazon wollen uns Lebensmittel direkt nach Hause liefern. Für eine kleine Zielgruppe ist das interessant, sagt Gerrit Heinemann. Dass wir aber alle zum Einkaufen nicht mehr das Haus verlassen, kann er sich nicht vorstellen. Auch weil die meisten von uns nicht mehr als fünf Minuten brauchen, um den nächsten Lebensmittelmarkt zu erreichen.

"Wir haben nach wie vor eine gewisse Polarisierung zwischen sehr günstig und höherwertig."
Gerrit Heinemann, Handelsexperte von der Hochschule Niederrhein

In den kommenden Jahren werden sich Biomärkte weiter verbreiten, sagt der Handelsexperte. Auch für Bauernmärkte sieht er eine rosige Zukunft. Das ist aber nur die eine Seite. Die Discounter werden weiter Zulauf haben, ist sich Gerrit Heinemann sicher.