Schön, Dich zu sehen, aber wie begrüßen wir uns jetzt eigentlich? Handschlag? Küsschen? Umarmung? Es ist kompliziert.

Ihr trefft eine Gruppe von Leuten, darunter eine gute Freundin. Und dann ist da noch der Kerl, den ihr schon ein paar Mal gesehen habt, aber nicht so richtig gut kennt und noch eine Freundin eurer guten Freundin, die ihr gar nicht kennt. Und jetzt steht ihr vor der Frage: Wie begrüße ich die alle? Der guten Freundin würdet ihr natürlich anders Hallo sagen, als den anderen, die dabei sind.

Wenn ihr ein Mann seid, würdet ihr die gute Freundin vielleicht umarmen. Dann steht ihr vor der blöden Situation, dass ihr vom Gefühl her die fremde Freundin der guten Freundin eigentlich auch umarmen müsstet, weil ein Handschlag seltsam rüberkommen könnte. Und was ist mit dem Kerl? Eigentlich müsstet ihr zeigen, dass ihr ihn besser kennt, als die fremde Freundin der guten Freundin. Also auch umarmen? Und wenn ihr nur ein Hallo in Gruppe ruft, fragt sich eure gute Freundin, ob alles in Ordnung ist. Kurz: Es gibt für solche Situationen einfach keine festgelegten Begrüßungsrituale.

Je mehr Geld, desto mehr Küsschen

In der Arbeitswelt ist fast immer ein Handschlag angesagt. Wenn ihr schon mal zusammen Golfspielen wart oder in der Hotellounge einen Martini getrunken habt, dürfen es auch schon mal ein oder zwei Wangenküsschen sein. Dabei spielt auch der gesellschaftliche Status eine Rolle. Beziehungsweise das Bankkonto. Je mehr Geld, desto mehr Küsschen rechts und links gibt es. Beruflich und privat.

Für unser Ausgangsproblem, das nicht mit Karriereknigge zu tun hat, bringt uns das allerdings nicht weiter. Hier geht es um ein privates Aufeinandertreffen. Aber auch hier gibt es ein paar Regeln oder Rituale - je nach Gruppe oder Geschlecht. Youtuberin Joyce Ilg hat ein paar typische Klischees bei Begrüßungen zusammengestellt. Wenn Frauen andere Frauen begrüßen, gibt es einmal die Variante sich zu umarmen. Eine zweite Möglichkeit sind Wangenküsschen.

Auch Männer umarmen sich heute - auf unterschiedliche Art und Weise:

  • herzlich, wenn sie gute Freunde sind .
  • mit mehr oder weniger heftigem Schulterklopfen, wenn es sich um Bekannte handelt

Das schafft Distanz und eine Kumpelhaftigkeit, die die Nähe der Umarmung ausgleicht. Generell sind Männer deutlich kreativer bei Begrüßungsritualen. Bei entfernteren Bekannten kann es in Ordnung sein, einfach nur die Hand zu geben. Das kommt bei Frauen außerhalb des beruflichen Kontextes nur noch selten vor. Männer in Kleingruppen haben häufig noch eigene Begrüßungsrituale.

Früher war alles besser?

Solche komplexen Begrüßungsprobleme hatten unsere Eltern nicht. Das liegt daran, dass wir viel flexibler sind, als unsere Vorfahren - beruflich und privat. Und deshalb auch mehr durchmischt, was unsere Positionen oder Funktionen in der Gesellschaft angeht. Dazu kommt: Wir sind mehr in der Welt unterwegs und es leben auch mehr Menschen aus dem Ausland bei uns. Am Ende ist die Unsicherheit, die wir bei den Begrüßungsritualen haben, ein Zeichen dafür, dass wir in einer offenen Welt leben. Und wenn ihr keine Lust auf Körperkontakt habt, macht es asiatisch: Hände falten, Kopf leicht beugen. Fertig. Das ist gerade in Hollywood ziemlich beliebt.