Die USA sind die weltweit erste Massendemokratie und galten lange Zeit als Musterbeispiel für eine stabile Demokratie. Heute, 250 Jahre nach ihrer Gründung, ist dieses Bild ins Wanken geraten. Ein Vortrag des Amerikanisten Manfred Berg.
Als sich 1776 die dreizehn britischen Kolonien in Amerika von der englischen Krone lossagten, ihre Unabhängigkeit erklärten und den Grundstein für die erste moderne Demokratie legten, hatten die Gründerväter bereits große Sorge, wie man diese neu gegründete Demokratie langfristig bewahren könnte.
"Die amerikanischen Gründerväter gingen davon aus, dass Machtstreben der menschlichen Natur eingeschrieben ist und deshalb eingehegt werden müsse."
Die Gründerväter versuchten, die Unabhängigkeitserklärung – und einige Jahre später die Verfassung – der Vereinigten Staaten so zu gestalten, dass ein Gleichgewicht, eine Balance zwischen den verschiedenen Organen der Macht garantiert ist. Die "Checks and Balances", also die Gewaltenteilung, sollte dafür sorgen, dass kein Einzelner alle Macht an sich reißen kann.
Die liberale Demokratie in den USA ist in Gefahr
Heute wackelt dieses Gleichgewicht mehr als je zuvor. Donald Trump ist es in kurzer Zeit gelungen, viel Macht auf sich als Präsidenten zu konzentrieren. Die liberale Demokratie der USA ist in Gefahr, sagt Manfred Berg. Er ist Professor für Amerikanische Geschichte an der Universität Heidelberg.
"Wir müssen das bislang Unvorstellbare denken – nämlich, dass die USA bald keine liberale Demokratie mehr sein könnten, sondern ein autoritäres Präsidialsystem."
In seinem Vortrag erzählt er, wie es so weit kommen konnte, dass die Demokratie in den USA heute in Gefahr ist, warum die Wurzeln dieser Krise bereits in der Gründerzeit liegen – und was man Trumps Machtstreben entgegensetzen könnte.
Manfred Berg ist Professor für Amerikanische Geschichte an der Universität Heidelberg. Sein Vortrag hat den Titel "Happy Birthday? Wie gefährdet ist Amerikas Demokratie 250 Jahre nach der Unabhängigkeit?". Er hat ihn am 8. Mai 2026 in Berlin gehalten. Der Vortrag war der KGParl Jahresvortrag der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien.
