Der Journalist und Autor Hasnain Kazim kennt den Terror aus der Zeit, als er in Pakistan über Terroranschläge oder auch als Korrespondent aus der Türkei darüber berichten musste. Inzwischen lebt er in Wien, ein Sehnsuchtsort, wie er selbst sagt. Jetzt ist auch dort der Terror angekommen.

Bereits einen Tag nach dem Terroranschlag am 2. November in Wien hat Hasnain Kazim für Zeit Online darüber berichtet. Sein Artikel beginnt mit einem Rückblick, als er 2009 zum ersten Mal nach Wien kam und irritiert davon war, dass nicht überall Sicherheitskräfte Menschen kontrollieren und Taschen durchwühlen. 2016 musste er schnell die Türkei verlassen und ist nach Wien gegangen. Inzwischen liebt er die österreichische Hauptstadt.

Der Anschlag wird Wien verändern

"Meine Sorge war aber auch, dass Terroristen das ausnutzen könnten (…). Dass ich irgendwann über Terror in Wien schreiben müsste. Jetzt ist es leider so weit," schreibt Hasnain Kazim auf Zeit Online. Und weiter: "Diese Tat wird Wien verändern, so wie islamistischer Terror andere Orte, ja ganze Länder verändert hat."

"Ich war ganz froh. Hier in Wien lebt man ein ganz friedliches, schönes, behütetes Leben. Jetzt plötzlich diesen Terror vor der Tür zu haben und zu wissen, dass es wieder losgeht, das ist furchtbar."
Hasnain Kazim, Journalist und Autor

Dieser Anschlag wird Wien verändern, sagt der Autor. Weil es in Zukunft um die Fragen der Prävention und des Schutzes gehen wird. Aber auch das Misstrauen wird die Menschen begleiten, meint Hasnain Kazim. Im Netz seien schnell pauschale Beschuldigungen geäußert worden.

"In der Tat kommt der Terror aus den Reihen der Muslime und das ist ein Problem."
Hasnain Kazim, Journalist und Autor

Dass es muslimische Menschen gibt, die sich radikalisieren, sei ein Problem, so der Journalist. Darüber müsste in der Gesellschaft und auch unter Muslimen diskutiert werden.

"Wienerinnen und Wiener sind an sich coole Menschen. Ich glaube nicht, dass sie panisch reagieren."
Hasnain Kazim, Journalist und Autor

Hasnain Kazim hält die Menschen in Wien für relativ "cool" und gelassen. Er hofft, dass sie einen Weg finden, diese Einstellung zu behalten und trotzdem für Sicherheit zu sorgen. Für Sicherheit zu sorgen, würde immer bedeuten, Freiheiten einzuschränken. "Ich hoffe, dass die Wienerinnen da einen guten Weg finden."

Sorge vor weiteren Anschlägen beschäftigt die Menschen

In den Tagen nach dem Anschlag habe er nicht so sehr Angst, sondern eher Trauer, Entsetzen und Enttäuschung in der Bevölkerung wahrgenommen. Die Sorge, ob es noch zu weiteren Anschlägen kommen könnte, beschäftige die Menschen sehr.

Für Hasnain Kazim ist Wien eine bunte, gemütliche, lebensfrohe und historische Stadt. Sie ist der vierte Hauptsitz der Vereinten Nationen, es gibt Universitäten und eine hohe Lebensqualität.

"Ich möchte mein Leben nicht beeinflussen lassen von Terroristen."
Hasnain Kazim, Journalist und Autor

Tatsächlich hat Hasnain Kazim auch kurz darüber nachgedacht, seinen Vollbart abzurasieren, weil vor allem im Netz pauschal gegen muslimische Bartträger Stimmung gemacht wurde, da der Attentäter von Wien ebenfalls einen hatte. Auch in Österreich gibt es rassistische Anfeindungen und das Land ist anfällig für Rechtspopulimus, sagt Hasnain Kazim. Letztlich habe er sich aber für seinen Bart entschieden, weil ein Terrorist nicht beeinflussen solle, ob er nun einen Bart trägt oder nicht.