Wochen und Monate hat es gedauert, User und Politiker haben protestiert. Nun endlich will Facebook etwas gegen Hass- und Gewaltkommentare tun. Ob das tatsächlich etwas bringt oder ob es nur übliche Facebook-Lippenbekenntnisse sind, ist allerdings noch nicht so ganz klar.

Bevor wir von staatlicher Seite gezwungen werden, kümmern wir uns doch lieber selbst darum. Das mögen sich die Facebook-Manager gedacht haben, als sie sich mit dem Team der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia zusammen getan haben. Das ist ein Verein, der sich um Jugendschutz kümmert und illegale und jugendgefährdende Inhalte im Netz eindämmen will. Die FSM will Facebook beim Umgang mit Hasskommentaren und Internethetze beraten und gemeinsam mit dem Unternehmen Lösungen für besonders schwierige Fälle erarbeiten.

Freiwillige Selbstkontrolle statt Selbstregulierung

Bisher verließ sich Facebook vor allem auf die eigenen User. Stichwort: Selbstregulierung. Nur wenn User Hassposts meldeten, wurde geprüft. Und es wurde nur dann gelöscht, wenn die Post nach Ansicht von Facebook gegen die Gemeinschaftsstandards des Netzwerks verstießen. Dazu gehören eigentlich auch Inhalte wie Hate Speech, Aufrufe zur Gewalt oder Gewaltverherrlichung, aber Facebook hat sich immer schwer getan, diese eigenen Regeln anzuwenden.

"Die Strategie von Facebook war es bisher, die Nutzer sich selbst zu überlassen und auf Gegenrede User gegen User zu setzen, auf die sogenannte Counter Speech."
DRadio-Wissen-Reporterin Martina Schulte über Facebook und die Hasskommentare

An den Regeln ändert sich bei Facebook erstmal nichts, der Konzern legt sie nun aber anders aus. In Zukunft würden in Deutschland Androhungen von physischer Gewalt als glaubhafte Drohungen eingeschätzt und entfernt. Eine Facebook-Sprecherin zeigt sich überzeugt, dass so deutlich mehr kontroverse Inhalte auf Facebook in Deutschland gesperrt würden.

Das Netz bleibt skeptisch

Politiker finden die neue Selbstkontrolle gut. SPD-Mann Heiko Maas sagte aber auch: "Fremdenfeindliche und rassistische Hassbotschaften, die gegen Strafgesetze verstoßen, müssen schneller und umfassender aus dem Netz verschwinden." Die User selbst sind hingegen skeptisch. Viele halten die Kriterien, wenn man etwas melden möchte, für völlig ungeeignet.

"Wir müssen wahrscheinlich erstmal abwarten, wie sich das in der Praxis darstellt. Facebook hat ja schon oft gelobt, den Prozess zu verbessern - allerdings ohne dass sich spürbar etwas geändert hätte."
DRadio-Wissen-Reporterin Martina Schulte über Facebook und die Hasskommentare