An Unis laufen immer mehr Verfahren gegen Studierende, weil sie etwa für Hausarbeiten Künstliche Intelligenz genutzt haben sollen. Dabei seien die Beweise oft wackelig, sagt ein Anwalt. Und er hat einen Tipp, was vor falschen Verdächtigungen schützen kann.

Zur Bewerbung um einen Studienplatz hatte ein Bachelorabsolvent einen englischsprachigen Essay an der Technischen Universität München eingereicht. Dieser war mit der Begründung abgelehnt worden, dass er viel zu gut sei, also eine KI ihn verfasst haben müsse. Er wurde als Täuschungsversuch gewertet.

Zu perfekt, um von einem Bachelorabsolventen zu sein

Die Entscheidung wurde weiterhin so gerechtfertigt: Der Essay "weiche durch seine Perfektion, seinen Satzbau und die Textgestaltung von dem ab, was nach der Lebenserfahrung von einem Bachelorabsolventen zu erwarten sei."

Eine Plagiats-Erkennungs-Software hatte zudem festgestellt, dass "der Text (...) mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit" zu 45 Prozent durch eine KI generiert worden sein soll.

Beweise für KI-Nutzung reichen laut Anwalt nicht

Der Bewerber, der sich bereits im vorangegangenen Jahr erfolglos beworben hatte, hat dann auf einstweilige Zulassung zum Studiengang geklagt. Diese Klage wurde vom Gericht abgewiesen, die der Entscheidung der TU München somit zustimmte.

Für den Rechtsanwalt Arne-Patrik Heinze, der sich in einem Spiegel-Interview zu diesem Fall geäußert hat, liegen hier allerdings keine Beweise vor, sondern nur Mutmaßungen. Diese reichen aus der Sicht des Rechtsanwalts noch nicht einmal für einen sogenannten "Anscheinsbeweis" aus.

Kläger zog Klage zurück

Das würde bedeuten, dass die Indizien so eindeutig und erdrückend wären, dass der Bewerber beweisen müsste, dass es sich bei dem Essay nicht um einen Täuschungsversuch handelt.

Letztendlich gab es nach dem Eilantrag des Studienplatzbewerbers kein Hauptverfahren mehr, weil der Kläger seine Klage zurückgezogen hat. Allein an der TU München liefen aktuell aber mehrere ähnlich gelagerte Fälle, sagt unser Reporter Michael Gessat.

"Der Rechtsanwalt gibt einen guten Rat: Bei Arbeiten alle Etappen zwischenspeichern und sichern, damit man oder frau im Zweifelsfall die Entstehungsgeschichte vom Entwurf zum Endergebnis nachweisen kann."
Michael Gessat, Deutschlanfunk Nova

Plagiats-Erkennungssoftwares lieferten nur Wahrscheinlichkeiten und könnten mit ihrer Analyse auch mal falsch liegen, sagt unser Reporter. Denn das Fehlen von Rechtschreib- und Grammatikfehlern als ein Indiz dafür zu werten, dass eine KI einen Text verfasst habe, sei lächerlich, sagt Michael Gessat. Man könne eine KI auch anweisen, Rechtschreibfehler in einen Text einzubauen, sagt unser Reporter.

Sein Fazit: Die Zeiten, in denen Essays und Hausaufgaben gefordert wurden, seien mit dem Aufkommen von KI-Tools nun vorbei. Denn eine verlässliche Überprüfung der Studienleistung gehe nur noch mündlich oder in streng überwachten Präsenz-Klausuren.

Shownotes
Täuschungsversuch
Von der KI geschrieben oder nicht, das ist die Frage
vom 04. April 2024
Moderation: 
Markus Dichmann
Gesprächspartner: 
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova