Im Netz gibt es alles. Neben vielen tollen Seiten auch brutale und schockierende Inhalte, Gewalt, Perversion und Blut. Manche kotzen sich im Netz so richtig aus. Und andere müssen dann den Dreck wegmachen. Ein wirklich harter Job.

Jeder von uns kennt das: Die sozialen Medien sind voll von Trollen und Hasskommentaren. Je emotionaler ein Thema, desto schneller sind die fiesen Kommentare da. Aber nicht nur bei Facebook - überall braucht das Internet Pflege. Es gibt unzählige Videos, Bilder und Inhalte, die im Netz nichts zu suchen haben - weil sie Verbrechen zeigen oder Gewalt. Kein Konzern will so was auf seiner Plattform haben. Und weil Maschinen nicht gut genug sind, gibt es Menschen, die das Netz von solchem Schmutz befreien: sogenannte Commercial-Content-Moderatoren, kurz CCM.

"Da sitzen Menschen, die sich acht bis zehn Stunden am Tag Bilder, Videos und Kommentare reinziehen. Und etwa 10 Prozent dieser Inhalte sind einfach extrem. Das heißt, Bilder von Vergewaltigungen, Enthauptungen, Kindesmissbrauch."
Nora Hespers, DRadio-Wissen-Autorin

Depression und Psychosen

Diese Arbeit geht natürlich nicht spurlos an den Aufräumarbeitern vorbei. Psychische Krankheiten sind keine Seltenheit. Und dazu forscht zum Beispiel Sarah T. Roberts. Sie ist Professorin an der Western University Ontario und sie sagt: "Diese Menschen stumpfen ab."

Auch Theater-Regisseur Moritz Riesewieck hat sich mit den CCM beschäftigt. Und er sagt, es war gar nicht so leicht, Menschen zu finden, die mit ihm sprechen wollen. Denn die CCM müssen in der Regel eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Auf der Republica berichtete Moritz über seine Recherchen.

In der digitalen Pubertät

Bleibt die Frage, warum sich dieser ganze Müll im Internet ansammelt. Und wie wir darauf reagieren sollten. Der Journalist Friedemann Karig hat dazu eine ganz eigene Meinung. Seine These: Wir befinden uns grade in einer Art digitalen Pubertät. In einem Zustand von emotionalem Chaos sozusagen, das wir - zumindest digital - noch nicht kanalisieren können. Wir müssten lernen, noch besser zu filtern und uns auch fragen: Wann ist es wirklich angebracht, emotional auf etwas zu reagieren? Muss ich mich dazu äußern? Wie nah geht mir das wirklich?

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