Heiraten gilt als romantisch, als ein Zeichen der Liebe. Früher haben sich Frauen mit einer Heirat jedoch rechtlich ihrem Ehemann unterworfen. Er durfte bis in die 1970er-Jahre bestimmen, ob seine Frau neben ihrer Tätigkeit als Hausfrau arbeiten durfte. Kulturwissenschaftlerin Evke Rulffes erklärt in ihrem Vortrag, wie es dazu kommen konnte.

Bis 1977 wurde Frauen in der Bundesrepublik Deutschland besonders eine Rolle zugeteilt: die der Hausfrau. Sie durften nur arbeiten, wenn sie ihre Familie nicht vernachlässigten – und darüber entschied der Ehemann.

Diese Regelungen gehen zurück auf den sogenannten Gehorsamsparagraphen und die sogenannte Hausfrauenehe aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch von 1900. In der DDR wurden die Regelungen sofort abgeschafft, in der BRD vollständig erst 1977.

"Sobald eine Frau in dieser Zeit geheiratet hat, hatte sie rechtlich und gesellschaftlich keine andere Wahl als Hausfrau zu werden."
Evke Rulffes, Kulturwissenschaftlerin

Die Frau im 18. und 19. Jahrhundert

Evke Rulffes ist Kulturwissenschaftlerin und hat an der Humboldt-Universität zu Berlin über die Geschichte der Hausfrau promoviert. In ihrem Vortrag erklärt sie, wie sich das Frauenbild im 18. und 19. Jahrhundert gewandelt hat. Bis dahin waren Frauen in sämtlichen Berufsständen nämlich selbstverständlich vertreten, sagt die Kulturwissenschaftlerin.

Dann seien die Rechte von Frauen in Handwerksberufen eingeschränkt worden und gleichzeitig hätten sich im aufkommenden Bürgertum Männerberufe professionalisiert. Zuvor haben die Eheleute gemeinsam den Betrieb geleitet und die Hausarbeit wurde von bezahltem Personal erledigt, erklärt Evke Rulffes.

Unbezahlt und unsichtbar

"Im Bürgertum galt es als schick, dass die Frau nicht arbeitet", sagt sie. "Wenn man dazu gehören wollte, durfte die Frau nicht arbeiten." Daher hätten Frauen heimlich den Haushalt machen müssen und Hausarbeit wurde unbezahlt und unsichtbar.

Mit dem Bürgertum entsteht also die Trennung zwischen öffentlicher und privater Sphäre, und es entsteht das Bild der Hausfrau, die nicht arbeitet. Denn als Hausarbeit nicht mehr bezahlt und sogar versteckt wurde, wurde sie auch nicht mehr wertgeschätzt, so die Kulturwissenschaftlerin in ihrem Vortrag.

"In dem Moment, wo die Hausarbeit nicht mehr bezahlt wird, wird sie auch nicht mehr als Arbeit anerkannt. Und so kommt das Bild der Hausfrau zustande, die nicht arbeitet."
Evke Rulffes, Kulturwissenschaftlerin

Das Konzept der romantischen Liebe habe diese Unterwerfung der Frau legitimiert. Die Frau sollte nämlich aus Liebe zum Ehemann ihre Rechte aufgeben. Aus diesem Blick in die Geschichte können wir viel darüber lernen, warum auch heute noch Care-Arbeit so ungleich verteilt ist, erklärt Evke Rulffes.

"Die romantische Liebe wird – zumindest für die Frau – in dem Moment, wo sie mit der monogamen Ehe verknüpft wird, zu einem subtilen Disziplinierungsinstrument. Die Frau soll nämlich aus Liebe ihre Existenz aufgeben."
Evke Rulffes, Kulturwissenschaftlerin

Evke Rulffes hat ihren Vortrag "Die Erfindung der Hausfrau. Von der Herrin im Haus zur Dienerin des Ehemanns" am 17. Mai 2022 im Rahmen der Vortragsreihe "Wohnen – Zwischen Obdach und Design" am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen gehalten.