Einblicke in die Rocker-Szene: Dokumentarfilmer Marcel Wehn hat einen Film über die Hells Angels gedreht. Manche Kritiker finden den Film zu positiv.

Eher zufällig las der Stuttgarter Dokumentarfilmer Marcel Wehn einen Zeitungsartikel über Lutz Schelhorn, den Präsidenten der Stuttgarter Hells Angels. Schelhorn arbeitete da gerade an einem Fotoprojekt über die Deportation von Juden im Zweiten Weltkrieg. "Da dachte ich, das passt so gar nicht zusammen", erinnert sich Marcel Wehn. Schließlich gelten die Hells Angels als eine kriminelle Rockergruppe, die wegen Jobs im Rotlichtmilieu, wegen Gewalt und anderer Verbrechen längst nichts mehr mit der Motorrad-Romantik von Easy Rider zu tun hat.

Verharmlosung der Hells Angels?

"Irgendwie interessierte mich dieser Mensch Lutz Schelhorn", sagt Marcel Wehn. Er wollte mehr über die Rocker herausfinden und begann mit der fünfjährigen Arbeit an dem Film "Ein Hells Angel unter Brüdern", der nun in die Kinos kommt. Sein Fazit: "Was ich verstanden habe: Die Gruppierung ist sehr unterschiedlich. Man muss sich die einzelnen Menschen anschauen." Vor allem die Mentalität der verschiedenen Hells-Angel-Chapter sei sehr unterschiedlich. Im Stuttgarter Chapter von Lutz Schelhorn zum Beispiel gäbe es eine eher schwäbische Mentalität. Kritik an dem Film gibt es auch: Der Film zeige die Hells Angels zu positiv.

"Ich habe mich für diesen Film von der öffentlichen Meinung befreit. Anfangs hatte ich natürlich Angst. Aber die einzelnen Chapter der Hells Angels sind sehr unterschiedlich."
Marcel Wehn, Dokumentarfilmer