Der Einzelne ist alles in unserer Gesellschaft: Leistungsträger, durchsetzungsfähig und mitfühlend, immer für den Job, die Kollegen und die Familie da. Richtig stark macht uns aber erst die Gemeinschaft.

Psychologen weisen zunehmend darauf hin, dass es für ein menschliches Individuum nicht möglich ist, die vielen verschiedenen Rollen auszufüllen, die ihm von der Gesellschaft allzu oft abverlangt werden.Vielleicht ist das der Grund, weshalb sich heutzutage viele nach Gemeinschaft sehnen, nach einer anderen Form des Zusammenlebens, die ihnen Stärke und Rückhalt zugleich bietet in einem sonst ständig fordernden Umfeld.

Genossenschaften boomen

Ein neuer Boom mit altem Konzept ist der von den Genossenschaften. 20 Millionen Menschen in Deutschland gehören zur Zeit einer solchen Organisation an. Eine Zahl, die nicht im öffentlichen Bewusstsein kursiert, aber dennoch so hoch ist wie nie zuvor.

"Es gibt andere Werte in unserer Gesellschaft, die das gesellschaftliche Zusammenwirken ermöglichen und auch dauerhaft gestaltbar machen."
Bruno Simmler, Rheinisch-Westfälischer Genossenschaftsverband

Die Gründe für den Erfolg sind so vielfältig wie die verschiedenen Rechtsformen. Der Hörsaal berichtet unter anderem über einen Dorfladen, den im münsterländischen Ochtrup-Welbergen 95 Prozent der Einwohner als Mitglied unterstützen.

"Wir haben ein Vollsortiment mit zirka 2000 Artikeln: frisches Obst und Gemüse, Frischwurst, Käsetheke, Fleisch verpackt in Schutzatmosphäre, Tiefkühlkost, aber auch Produkte aus der heimischen Landwirtschaft."

Das Seminar für Genossenschaftswesen an der Universität Köln hatte am 22. Oktober 2015 Genossinnen und Genossen eingeladen, um über ihre Projekte zu informieren. Bei Frauen sehr beliebt sind Wohnformen nach dem Konzept der Beginen.

"Frauen suchen wirklich solchen Wohnraum. Die suchen auch die Gemeinschaft, die suchen auch: Wo kann ich mich einbringen, weil alles im Beginenhof wird ehrenamtlich gemacht."

Die Fußballerin Mirja Dorny ist im Verband der Wohnungswirtschaft Rheinland-Westfalen unter anderem genau dafür verantwortlich und schildert ihre persönlichen Erfahrungen.

"Ich habe vor 15 Jahren selbst Fußball in einer Frauenmannschaft gespielt und weiß: so 20 Frauen auf einen Haufen, das kann schon mal echt kompliziert werden."
Mirja Dorny, Verband der Wohnungswirtschaft

Nicht alles also ist bei den Genossenschaften rosig, doch wer mitmacht, der ist von den Vorteilen begeistert.

Mehr zum Thema:

Podcast zur Sendung
  • Hörsaal
  • Moderator: Hans-Jürgen Bartsch
  • Vortragender: Philipp Degens, Volkswirt
  • Vortragender: Bruno Simmler, Betriebswirt
  • Vortragende: Mirja Dorny, VdW Rheinland Westfalen
  • Vortragender: Hermann Lastring, Dorfladen Ochtrup-Wellbergen
  • Vortragende: Christine Müthwarth und Angelika Klisch, Beginenhof Köln