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Ob es an Tiger King liegt oder den Models bei der Präsentation von Rihannas Lingerie-Kollektion oder einfach nur daran, dass sich manche in der Pandemie selbst die Haare geschnitten haben? Fest steht: Der Vokuhila ist seit längerem zurück. Doch der vorne-kurz-hinten-lang-Schnitt ist mehr als eine Frisur, er ist ein Statement – vor allem in der queeren Szene.

Es ist eine Frisur, die nicht schreit: Ich bin ein Mann! Ich bin eine Frau!

Zugegeben, es ist einfach, den Vokuhila zu haten. Von Miley Cyrus bis Joe Exotic - die Angriffsfläche ist groß. Und die Versuchung, den Style oberflächlich und vom hohen Ross aus als Frisur für einerseits alte Prolos und andererseits exzentrische Fashionistas abzutun, ist es ebenfalls. Hengameh Yaghoobifara, Redakteur*in beim Missy Magazin und Schriftsteller*in, trägt selbst einen abgeschwächten Vokuhila und stolpert per Zufall über auffällig viele queere Memes im Zusammenhang mit dem Haarschnitt. Daraufhin macht sich Hengameh Yaghoobifara auf die Suche nach der kulturellen Bedeutung der Frisur. Das Ergebnis erscheint in einer Kolumne in der Berliner Tageszeitung Taz.

"Frisuren werden meistens gegendert, sie werden also als feminin oder als maskulin gelesen. Das hat manchmal mit der Haarlänge zu tun, aber nicht zwangsläufig. Aber beim Vokuhila hast du beides: vorne kurz, hinten lang."
Hengameh Yaghoobifarah, Redakteur*in beim Missy Magazin und Schriftsteller*in

Vokuhila feiert die Androgynität

Bevor in den 1980er Jahren Schlagersänger Wolfgang Petry und Fußballprofi Rudi Völler genauso wie zweidrittel seiner Fußballkollegen Vokuhila trugen, waren es Musikikonen wie David Bowie und Boy George, die Androgynität aus der queeren Subkultur in den Mainstream holten. Und damit auch den Vokuhila.

David Bowie im grünen Anzug
© IMAGO / Overstreet
Auch die Kunsthalle München stellt David Bowie mit seiner markanten Frisur dar.
"Der Vokuhila war schon immer eine Unisex-Frisur. Deswegen stellt sie für nicht-binäre Menschen oder genderqueere Leute die Chance dar, nicht jeden Tag eine Genderkrise zu haben."
Hengameh Yaghoobifarah über den Ursprung des Vokuhila

Wenn Subkultur Mainstream wird

Sängerin Rihanna präsentiert ihre Unterwäschekollektion zusammen mit einem Model
© , IMAGO / PicturePerfect
2012 präsentiert Rihanna nicht nur ihre Lingeriekollektion, sondern auch ihren Vokuhila.

Somit ist Vokuhila mehr als eine Frisur, es ist "ein Marker, um sich gegenseitig zu erkennen", erklärt Hangameh Yaghoobifarah. Für Hangameh Yaghoobifarah persönlich hat der Haarschnitt ein wesentliches Problem gelöst: "An einem Tag wollte ich kurze Haare haben, am nächsten wollte ich doch lieber gerne längere Haare haben." Das hatte auch etwas mit der Genderfrage zu tun, sagt Hangameh Yaghoobifarah. Das Ganze sei schon beklemmend gewesen, die Erfahrung machten aber auch nicht alle queeren Menschen.

"So richtig geil finde ich es nicht, dass jeder Hans und Franz und jede Annika Vokuhila trägt"
Hengameh Yaghoobifarah
Portrait von Hengameh Yaghoobifarah
© , Tobias Brust
Hengameh Yaghoobifarahs Haltung gegenüber dem Maintream-Vokuhila ist eindeutig.

Ganz klar ist der Subkultur-Style des Vokuhila inzwischen im Mainstream angekommen. Auf Twitter gibt es ein Meme mit jungen Vokuhila tragenden Menschen, in dem es heißt: Wenn Du diese Frisuren in Deinem Viertel siehst, steigen bald die Mieten. Eine Referenz auf die Gentrifizierung. "Wenn Leute, die nicht Teil einer Subkultur sind, diesen Marker übernehmen, wird er beliebiger. Er verliert seine Bedeutung als Erkennungszeichen."

Die Frisur ist dann ein Fashion-Statement, dass man über den gesellschaftlichen Gendererwartungen steht, aber nicht, weil man queer ist, sondern weil man reich genug ist, dass es einem egal ist, schlussfolgert Hengameh Yaghoobifarah.