Egal was sich Modedesigner jedes Jahr einfallen lassen: Wir bevorzugen Grau, Schwarz und gedeckte Farben im Herbst und Winter. Zumindest was uns Deutsche angeht.

Auf den Laufstegen in London, New York, Paris oder Mailand hat Miriam Amro sehr viel Farbe gesehen. Sie hat die stellvertretende Modeleitung bei der Frauenzeitschrift Grazia inne. "Rosa ist ein Riesentrend", fasst Miriam zusammen. Ob sich diese Farbe bis in die Kleiderschränke deutscher Frauen durchsetzt, sei eine ganz andere Frage. Bei den Modeketten hingen jedenfalls auch sehr viele bunte Kleidungsstücke an den Ständern, sagt die Modeexpertin.

"Die Mädels in den Großstädten trauen sich gerade auch rosa Mäntel zu tragen."
Miriam Amro, stellvertretende Modeleitung bei der Frauenzeitschrift Grazia

Miriam vermutet, dass durch das kalt-feuchte Wetter im Herbst und Winter, wenn sich die Sonne nur wenig zeigt, wir gar keine Lust auf Farbe haben und mit einem quietschgelben Mantel auch gar nicht auffallen möchten.

"Je kälter es wird, desto unsicherer wird man, wenn man morgens aufsteht und vor dem Kleiderschrank steht."
Miriam Amro, stellvertretende Modeleitung bei der Frauenzeitschrift Grazia

Zum anderen würden praktische Überlegungen bei Deutschen den Ausschlag geben, wenn sie sich für ein Kleidungsstück entscheiden müssen. Keine Frau würde bei Matschwetter einen weißen Hosenanzug anziehen, sagt Miriam.

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Aus praktischen Überlegungen heraus würden sich die Deutschen dann doch zu einem schwarzen oder dunklen Mantel in der kalten Jahreszeit entscheiden, der den Schmutz nicht so annimmt. Überhaupt lägen die Funktionsjacken - praktischer geht es gar nicht - total im Trend, sagt Miriam, die diese Jacken sogar in Paris auf dem Laufsteg gesehen hat.

"Deutschland ist ein eher praktisches Land, was Mode angeht."
Miriam Amro, stellvertretende Modeleitung bei der Frauenzeitschrift Grazia

Allerdings würden die Einkäufer für die Boutiquen und Modehäuser bei den Modeschauen eher nach den gedeckteren Farben Ausschau halten, weil sie die Erwartungen der Kunden erfüllen wollen. Wenn es dagegen nach den Designern gehen würde, sagt Miriam, würden wir alle eher in Pastelltönen durch die Gegen laufen.

Französinnen und Italienerinnen sind auch im Herbst "schick"

Ganz anders die Italienerinnen und Italiener, die in Sachen Mode einfach mutiger sind als wir. Außerdem haben die Modehauptstädte Rom und Mailand das Glück, ein milderes Klima zu haben. "Franzosen haben die Mode sozusagen in ihrer DNA", spitzt Miriam zu. Unsere Nachbarn würden doch sehr auf Mode und Styling achten.

Klausbernd Vollmer, Psychologe
"Mausgrau und Ackerbraun werden deswegen gern getragen, weil sie Gemütszustände wiedergeben."

Dass die Deutschen anders als die Italiener und Franzosen ticken, könnte auch am allgemeinen Gemütszustand liegen: Gerade im Herbst fühlen wir Deutschen uns doch eher niedergeschlagen, sagt der Psychologe Klausbernd Vollmer: "Diese Niedergeschlagenheit drückt sich farbpsychologisch in Grau und Braun aus." Und: Braun wird zu den farbigen Grautönen gezählt.

Farbe drückt den Gemütszustand aus

Und weil die Handlungsunfähigkeit oder -unlust ein Symptom der depressiven Verstimmung ist, steuern wir nicht bewusst mit Farben gegen die Stimmung, sondern unterstreichen sie mit einer bestimmten Farbauswahl bei unserer Kleidung. "Man fühlt sich im Grunde, und das ist nur wenigen bewusst, in dieser Niedergeschlagenheit ganz wohl", sagt Klausbern Vollmer.

"Grau ist die Farbe der Avantgarde."
Klausbernd Vollmer, Psychologe

Andererseits bricht der Psychologe eine Lanze für das Grau: Diese Farbe würde einfach den allermeisten Menschen gut stehen. "Grau sieht schick aus", sagt Klausbernd Vollmer.

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