Bislang können die Schweden sich noch auf einen Kaffee mit Freunden treffen, ins Restaurant gehen oder Versammlungen mit bis zu 50 Menschen besuchen. Bilder, die in den meisten anderen europäischen Ländern lange schon nicht mehr möglich sind. Schweden setzte auf die Taktik der Herdenimmunität – jetzt ändert die Regierung ihren Kurs.

Schweden soll oft als Beispiel gelten, dass es auch anders gehen würde. Denn in Schweden gelten etwa die Abstandsregeln lediglich als Empfehlung. Restaurants, Fitnessstudios, Schulen und Clubs – das alles steht den Einwohnern weiterhin offen. Die Regierung hat ihren Einwohnern bisher nur ans Herz gelegt, Abstand zu wahren und Zuhause zu bleiben.

Regierung ändert Corona-Kurs

Dieser Sonderweg Schwedens ist nun wohl vorbei. Denn nun hat die Regierung ein Gesetz verabschiedet, dass das bisherige Ansteckungsschutzgesetz erweitern soll. Bislang gab es in Schweden keine rechtliche Möglichkeit, ein Ausgangsverbot zu erteilen, erklärt Carsten Schmiester, ARD-Korrespondent für Schweden.

Das ist nun möglich. Grund für die Einführung des Gesetzes, war die Annahme, dass, falls sich die Infektionssituation verschärfen sollte, die zentrale Regierung auch kommunale Behörden überstimmen und ein allgemein geltendes Ausgangsverbot verhängen könne, so Carsten Schmiester. Angewandt wurde es allerdings noch nicht.

"Die Stimmungslage hat sich noch nicht geändert. Dafür sorgt auch Staats-Epidemiologe Anders Tegnell, der den bisherigen lockeren Weg propagiert. Seine Botschaft ist: Macht euch keine Sorgen, wir haben alles im Griff."
Carsten Schmiester, ARD-Korrespondent für Schweden

Die Zahl der Toten stieg aktuell auf 1.775 Tote (Stand: 21.04.2020). Das ist in Relation zur Bevölkerung etwa dreimal so viele wie in Deutschland, sagt Carsten Schmiester. Diese Zahl alarmiert nicht nur die Regierung, sondern auch mehr schwedischen Bürger, die das Infektionsrisiko bisher gering eingeschätzt haben.

Schwedischer Prominenter an Corona verstorben


Vor knapp einer Woche verstarb der schwedische Prominente Adam Alsing, ein langjähriger Fernseh- und Radiomoderator, hierzulande vergleichbar mit Günther Jauch und in Schweden sehr beliebt. Dieser hatte sich auf einer Promi-Party mit Corona infiziert. Fünf Teilnehmer kamen danach ins Krankenhaus, Adam Alsing starb von ihnen - mit knapp über 50 Jahren. Carsten Schmiester erzählt, das habe die Botschaft gesendet: Es kann jeden treffen, auch Leute unter 70 Jahren.

Stimmung unter der Bevölkerung weiterhin locker

Obwohl die Regierung durch dieses Gesetz klar macht, dass das Virus ernstzunehmen ist, nehmen noch zu viele schwedische Einwohner die Lage weiterhin locker, erzählt Carsten Schmiester. Dadurch, dass wenige Leute etwa Mundschutz tragen oder die Abstandsregeln strikt durchziehen, ändert sich dies nur langsam.