Nicht alles glauben, was auf der Packung steht: Eine Recherche hat ergeben: Hersteller von Glühbirnen schummeln beim Stromverbrauch oder die Lampen leuchten nicht so hell, wie angegeben.

Es ist Winter - und da gehen wir aus dem Haus, wenn es noch dunkel ist, und drücken auch als Erstes auf den Lichtschalter, wenn wir die Wohnungstür aufgeschlossen haben. Alles nicht so schlimm, denn wir haben ja alle unsere Lampen gegen moderne Energiesparlampen ausgetauscht.

Das Problem: Jetzt hat die Süddeutsche Zeitung herausgefunden: Die Hersteller schummeln ganz gerne in Sachen Stromverbrauch. Das Ganze erinnert ein bisschen an den Abgasskandal bei Volkswagen. Denn bei vielen Leuchtkörpern gilt laut den Ergebnissen der Recherche: Die Angaben zur Leistung auf der Packung müssen nicht unbedingt etwas mit der Realität zu tun haben. Nach einer Analyse des europäischen Umweltschutz-Dachverbandes EEB, auf den sich die Süddeutsche Zeitung bezieht, kostet das die Verbraucher jährlich bis zu zwei Milliarden Euro extra - weil die Geräte mehr Strom verbrauchen, bis sie Leistung bringen, die der Hersteller versprochen hat.

"Der Vergleich mit dem Schummeln beim Auto ist gar nicht so schlecht: Auch bei den Lampen ist es so, dass die Tests wenig mit dem Alltag zu tun haben."
Britta Wagner aus der Nachrichtenredaktion

Und der schwedische Verbraucherverband hat andersrum gerechnet. Das Ergebnis: Einige Halogenlampen leuchten 20 Prozent oder noch schwächer, als auf der Verpackung angegeben ist. Also kurz zusammengefasst: Viele Lampen haben weniger Leuchtkraft als versprochen oder verbrauchen mehr Strom, damit sie so hell leuchten wie angegeben.

Mit verbrecherischen Machenschaften hat das Ganze aber nichts zu tun: Denn die Tricks sind ganz legal und gehen mit EU-Vorschriften konform. Die verlangen drei Angaben auf den Verpackungen:

  • Energielabel (Effizienz von A bis G)
  • Leistung der Leuchte (in Watt)
  • Helligkeit (in Lumen)

Bei allen Angaben dürfen die Hersteller bei den Ergebnissen ihrer Produkttests noch Messungenauigkeiten draufschlagen. Und hier sind durchaus 10 Prozent oder mehr erlaubt. Und während die EU beim Energielabel seit 2012 Grenzen für diese Messungenauigkeiten vorgibt, hat sie bei Leistung und Helligkeit die Schlupflöcher noch nicht geschlossen. Lampenhersteller wie Osram geben auch zu, dass sie diese Messtoleranzen ausnutzen. Und ein anderer Manager hat der SZ anonym gesagt, dass die Firmen billig produzieren wollen und die schlechtere Leistung bei den Messungen kaschieren.

Weitere Schlupflöcher

Die schlechte Nachricht: Schlupflöcher gibt es auch bei anderen Produktkategorien von Elektrogeräten wie Wasserboilern, Waschmaschinen oder Kühlschränken. Hier hat europäischer Umweltdachverband noch keine Belege für Schummelei, sagt aber, das offene Schlupfloch sei eine Einladung. Bis alle Schlupflöcher geschlossen werden, dürfte es noch etwas dauern. Seit 2011 weiß die EU-Kommission davon, seit 2013 gibt es ein Arbeitspapier und laut einer Sprecherin sollen nächstes Jahr zumindest strengere Regeln für Lampen gelten. Bei den anderen Geräten heißt es auf Nachfrage nur "bald".