Wenn das Herz stehen bleibt, dann muss alles ganz schnell gehen. Doch gerade auf dem Land dauert es oft zu lange, bis der Notarzt eintrifft. Jetzt soll die moderne Technik zum Lebensretter werden: der Elektroschock per Drohne.

Brandenburg: Mitten in der Uckermark gehen zwei Freunde joggen. Auf einem abgelegenen Feldweg bricht einer von ihnen plötzlich zusammen. Sein Herz hört auf zu schlagen. Sein Freund ruft den Notarzt und versucht die Zeit bis die Ersthelfer eintreffen, zu überbrücken – mit einer Herzdruckmassage. Minutenlang passiert dann erstmal gar nichts. Denn die nächste Rettungsstelle ist kilometerweit entfernt.

Drohne als Ersthelfer

Ein ausgedachtes Szenario, das im echten Leben genauso passieren könnte. Denn gerade auf dem Land dauert es in Deutschland oft noch zu lange bis der Rettungswagen eintrifft – und das, obwohl bei einem Herzstillstand jede Sekunde zählt. Die Universitätsmedizin Greifswald will diese Lücke in der Rettungskette schließen. Bald soll nicht nur ein Notarzt alarmiert werden, sondern auch eine Drohne mit Defibrillator – ein kleines Gerät, das bei einem Herzstillstand das Herz mit einem Elektroschock wieder "anschalten" kann.

"Zum einen alarmiert die Leitstelle die Drohne, die einen Defibrillator bringen wird und es wird zeitgleich ein geschulter, medizinisch ausgebildeter Helfer per Smartphone alarmiert, der sich auch auf den Weg macht."
Dr. Mina Hinsch, Universitätsmedizin Greifswald

Drohne in der Testphase

Die Defi-Drohne wird momentan in der Uckermark getestet – mit Erfolg. In den bisherigen Testdurchläufen war die Drohne – trotz Sturm und Regen – schneller als der medizinische Ersthelfer, erzählt Dr. Mina Hinsch. Für das Projektteam die "idealen Testbedingungen".

Zurück zum Szenario: Der Jogger liegt noch immer auf dem Feldweg. Sein Freund wird von einem Notarzt per Telefon angeleitet. Dann landet die Drohne. Mit im Gepäck: der Defibrillator. Doch noch immer ist kein Rettungswagen in Sicht. Der Freund muss den Defibrillator also selbst bedienen. Das sei aber kein Problem, sagt Dr. Mina Hinsch. Das Gerät sage dem Ersthelfer Schritt für Schritt, was zu tun ist.

"Die automatisierten Defibrillatoren haben drei Knöpfe und sagen zwischendrin, was man tun soll: Anschalten und dann führt das Gerät durch die Reanimation, sodass das mit sehr wenig Einführung machbar ist."
Dr. Mina Hinsch, Universitätsmedizin Greifswald

Momentan fliegt die Drohne nur kleine Distanzen. In der nächsten Testphase soll die Unfallstelle dann aber bis zu 10 Kilometer weit entfernt sein. Ob die Drohne dann immer noch schneller als der Mensch ist, wird sich zeigen. Die Projektleiter sind optimistisch, denn die ersten Probeflüge zeigen: Die Defi-Drohne könnte künftig Leben retten.