Habt ihr auch schon gedacht, dass euer Laden ohne Chef besser laufen würde? Keine Hierarchien, jeder entscheidet und verantwortet mit: Das geht und das gibt es schon. Ein paar Unternehmen in Deutschland funktionieren quasi selbstorganisiert.

In der Softwarefirma Oose entscheiden die gut 30 Mitarbeiter gemeinsam im Diskussionsmarktplatz. Das ist ein Raum, in dem sich alle treffen, um gemeinsam über fachliche und organisatorische Themen zu sprechen. Themen, die sonst auf der Führungsebene besprochen und entschieden werden. Bei aller Selbstorganisation gibt es aber dennoch einen Geschäftsführer. Den Job füllt Tim Weilkiens aus. Er muss wie alle anderen seine Ideen und Vorstellungen im Marktplatz einbringen und dafür Mehrheiten finden. Das Unternehmen ist organisatorisch mit einer Genossenschaft vergleichbar.

"Wir sind auch in Kreisen organisiert, die thematisch organisiert sind und dann muss jeder Kreis als Gemeinschaft etwas entscheiden."
Tim Weilkiens, Geschäftsführer der Softwarfirma Oose

Verschiedene Arbeitskreise sind dann für Aufgaben wie Design oder Projektmanagement verantwortlich. Deren Arbeitsweisen und Ergebnisse sind für alle Mitarbeiter transparent, so dass jeder beispielsweise bei Budgetentscheidungen verantwortlich abstimmen kann. "Bei übergreifenden Entscheidungen sind wir dadurch wahrscheinlich ein bisschen langsamer", sagt Weilkiens, "bei Entscheidungen, die nur wenige betreffen, im operativen Geschäft, sind wir dafür viel schneller."

Die Mitarbeiter entscheiden übers Gehalt

Bei der Digitalagentur Elbdudler entscheiden die Mitarbeiter sogar gemeinsam über ihr Gehalt. Deren Geschäftsführer Julian Vester wird von seinen Kollegen gewählt. Er hält Hierarchien nicht für grundsätzlich schlecht, denn in jeder Gruppe gebe es verschiedene Charaktere oder Kompetenzen, die den Kopf der Gruppe bilden würden.

"Was aber schlimm ist, ist eine strukturelle Hierarchie, wenn irgendjemand irgendwo sitzt und nur weil er da sitzt, hat der irgendwas zu bestimmen, obwohl er es vielleicht gar nicht weiß - das ist ein Problem."
Julian Vester, Geschäftsführer der Digitalfirma Elbdudler

Seit 2014 ist Elbdudler ein selbstorganisiertes Unternehmen. Die Vorteile: Die Mitarbeiter identifizieren sich stärker mit dem Unternehmen und bringen sich ein. Elbdudler wächst, die Aufträge werden anspruchsvoller.

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