Auf die Wange küssen, die Hände halten oder mal die Schulter streicheln: In Frauenfreundschaften oft ganz normal. Auch immer mehr Männer suchen freundschaftliche Berührungen. Andi ist Anfang zwanzig und findet: Es ist absurd, dass Frauen sich berühren können, ohne dass es sexuell wirkt und Männer immer noch oftmals nicht.

Jeder Mensch ist anders, einige lieben Körperkontakt, andere gehen eher auf Distanz. Beobachten lässt sich in Europa aber doch, dass Frauen tendenziell auch in Freundschaften öfter Berührungen austauschen als Männer – und das obwohl es auch viele Männer gibt, die sich mehr Körperkontakt wünschen. Zu ihnen gehört auch Andreas Blauth.

"Ich habe immer mehr Männer kennengelernt, für die es gar kein Problem war, sich in Freundschaften körperlich nah zu sein."
Andreas Blauth, Fotograf

Der junge Fotograf und Kommunikationsdesign-Student erzählt, dass für ihn Körperlichkeit auch Vertrauen und Zuneigung ausdrücken und dass er das auch in seinen männlichen Freundschaften sucht. Zum Glück lerne er immer mehr Männer kennen, die kein Problem mit Körperlichkeit in Freundschaften haben.

Durch Pandemie noch weniger Berührungen

Durch die Beschränkungen der Pandemie ist das Thema Berührung für Andreas in den Fokus gerückt. Daraus ist ein Foto-Projekt entstanden: Nähe und Distanz. Dafür hat Andreas Männer fotografiert, die sich körperlich nah sind – und einfach nur befreundet sind.

Andreas Blauth Schwarz-Weiß Portrait
© Andreas Blauth | Cara Wanderer
Andreas Blauth studiert Kommunikationsdesign und ist angehender Fotograf

Paul Scheibelhofer ist Soziologe und ist Assistenzprofessor für Kritische Geschlechterforschung an der Universität in Innsbruck. Er sagt: Jede Beziehung ist anders und von Mensch zu Mensch verschieden. Dennoch lässt sich beobachten, dass vor allem in unseren Breitengraden Berührungen in Männerfreundschaften seltener vorkommen als in Frauenfreundschaften.

Das hängt vor allem mit der patriarchalischen Struktur zusammen: Männer sollen einem gewissen Rollenbild entsprechen, das mit Macht und Distanz einhergeht.

"Wir leben in einer Gesellschaft, in der Männer einerseits Privilegien genießen, andererseits kommen diese Privilegien auch nicht umsonst: Männer müssen bestimmten Bildern entsprechen."
Paul Scheibelhofer, Assistenzprofessor für Kritische Geschlechterforschung an der Universität Inssbruck

Warum Männer oft unbewusst distanzierter sind und inwiefern das alte Rollenbild immer mehr aufbricht, das klären wir in dieser Ab21.

Hörenswert

Mehr zum Thema

  • Der Tastsinn ist beim Menschen stärker ausgebildet als etwa Geschmacks- und Geruchssinn: Bis zu 900 Millionen Rezeptoren sorgen dafür, dass Menschen Berührungen wahrnehmen können. Seh- und Geruchssinn brauchen nur ein Zehntel und der Geschmackssinn sogar nur 20.000 Rezeptoren.
  • Berührung tut nicht nur unserer Psyche gut: Sie kann auch unsere Gesundheit beeinflussen. Studien mit Mäusen haben ergeben, dass Berührungen das Immunsystem stärken. Das bedeutet auch, dass Menschen, die wenig berührt werden, anfälliger für Krankheiten sind.
  • Wenn wir uns in die Arme nehmen, dann wird unsere Atmung flacher, unsere Herzfrequenz verlangsamt sich und unsere Muskulatur entspannt sich – wir fühlen uns rundum wohl. Das wirkt sich auch auf unser Umfeld und unsere Beziehungen zu anderen Menschen aus. Eine amerikanische Studie belegt, dass Umarmungen sogar unsere Konflikte mit anderen Menschen abschwächen.

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  • Ab 21
  • Moderator:  Tom Westerholt
  • Gesprächspartner:  Andreas Blauth, studiert Kommunikationsdesign und ist angehender Fotograf
  • Gesprächspartner:  Paul Scheibelhofer, Assistenzprofessor für Kritische Geschlechterforschung an der Universität Innsbruck