In Japan müssen Frauen im Job oft High Heels tragen. Das ist eine Art ungeschriebenes Gesetz. Doch die Japanerinnen haben inzwischen die Schnauze voll davon: Es gibt Widerstand.

Japanische Konzerne und Unternehmen können streng sein, auch wenn es um die Kleidervorschriften geht. So müssen viele Japanerinnen im Büro High Heels tragen. Ob es ihnen gefällt oder nicht. Die Schauspielerin und Autorin Yumi Ishikawa hatte allerdings keine Lust mehr, wegen der Schuhe mit schmerzenden Füßen nach Hause zu kommen. Sie startete die Kampagne #KuToo.

"In Japan ist es zwar nicht offiziell Gesetz, dass Frauen bei der Arbeit hohe Schuhe tragen müssen. De facto ist es aber schon so, weil die allermeisten Firmen entsprechende Vorschriften haben."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

KuToo ist ein Wortspiel: eine Kombination des japanischen Wortes für Schmerz, "Kutsuu", mit dem Hashtag der MeToo-Bewegung. "Auf die Idee zu der Kampagne ist Yumi Ishikawa gekommen, weil Anfang des Jahres ein Tweet von ihr viral gegangen ist, in dem sie das Problem angesprochen hatte", erklärt Deutschlandfun-Nova-Reporterin Anke van de Weyer.

High-Heel-Zwang als sexuelle Diskriminierung und Belästigung

Inzwischen gibt es eine Petition an die japanische Regierung: Sie soll es Unternehmen verbieten, Vorschriften zu machen, die Frauen zu High Heels zwingen. Denn eine solche Vorschrift käme sexueller Diskriminierung und Belästigung gleich.

Yumi Ishikawa präsentiert ihren Tweet gegen High-Heels-Pflicht.
© dpa
Yumi Ishikawa zeigt ihrn #KuToo-Petition.

Die Petition hat bereits das japanische Gesundheitsministerium erreicht. Dort haben die Beamten mitgeteilt, dass sie die Petition prüfen wollen und dann mal schauen, was möglich ist. Wie groß die Chance ist, dass Yumi Ishikawa und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter Erfolg haben, ist nicht ganz klar.

Japan hat die Krawattenpflicht abgeschafft

Immerhin gab es vor ein paar Jahren schon eine ähnliche Erleichterung für Männer: 2005 wurde die Krawattenpflicht durch eine Kampagne der Regierung gekippt. "Andererseits ist Misogynie in Japan teilweise sehr fest verankert", stellt Anke fest. Erst voriges Jahr hat ein Spitzenpolitiker der Regierungspartei gesagt: Frauen, die keine Kinder bekommen und alleine bleiben, seien eine Belastung für den Staat.

Die Japanerinnen sind mit ihrer Forderung übrigens nicht alleine. Vor zwei Jahren hatte es eine ähnliche Kampagne in Großbritannien gegeben: Eine Rezeptionistin wurde entlassen, weil sie bei der Arbeit keine Schuhe mit mindestens fünf Zentimeter hohen Absätzen tragen wollte. Es gab eine Petition, 150.000 Unterschriften und eine hitzige Debatte im Parlament über Dresscodes im Büro. - Getan hat sich: Nichts.