Weltweit werden gerade Konjunkturprogramme aufgelegt, um Unternehmen zu retten und zu unterstützen. Der Präsident des Umweltbundesamtes sagt: Wenn diese Gelder auch an Umweltauflagen geknüpft werden, kann der Umbau hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft gelingen.

Airlines gehören zu den Wirtschaftsbereichen, die besonders hart von der Corona-Krise getroffen sind. Deshalb stellen zum Beispiel Frankreich und die Niederlande sieben Milliarden Euro Hilfsgelder für Air France KLM zur Verfügung.

Der französische Wirtschaftsminister sagte, an die Zahlung seien allerdings Bedingungen geknüpft, die Air France zur umweltfreundlichsten Fluggesellschaft auf dem Planeten machen würde.

Eine ähnliche Ansage gebe es in Deutschland zum Beispiel für die Lufthansa momentan nicht, sagt der Präsident des Umweltbundesamtes Dirk Messner. Und: "Wir brauchen einen Klimacheck für alle." Finanzielle Hilfen müssten an Umweltauflagen gekoppelt werden. Dann sei eine echte Transformation der Wirtschaft möglich.

"Wir wollen die Klimaziele nicht dadurch erreichen, dass wir die Wirtschaft ruinieren. Wir wollen die Wirtschaft umbauen."
Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes

Ob das gelänge, werde sich nun zeigen, sagt Messner. "Die nächsten sechs Wochen bis 18 Monate sind entscheidend." Nach der Akuthilfe gehe es nun um die Frage, wie die Wirtschaftsstrukturen am Ende der Krise aussähen und sich danach weiter entwickeln würden. "Da sollten wir nicht auf die Vergangenheit, sondern auf die Zukunft setzen", sagt Messner.

Klimaschutz müsse Leitlinie bei allen Konjunkturprogrammen sein. Was eigentlich als längerfristiger Umbau im kommenden Jahrzehnt geplant gewesen sei, würde nun sehr viel schneller passieren.

Dabei gehe es ihm nicht nur um die Unternehmen im Land, sagt Messner, sondern auch um die Bürgerinnen und Bürger: "Wir alle haben Verantwortung." Welches neue Auto man kaufe, wie viel Lebensmittel man verschwende und wie man reise – das alles könne man beeinflussen.

"Krisensituationen sind ein offener Moment."
Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes

Seit Januar ist Messner Präsident des Umweltbundesamtes. Die Behörde kümmert sich um Umweltschutz, Nachhaltigkeitsforschung und berät die Politik. Sie untersteht dem Bundesumweltministerium. Ihr neuer Chef ist gelernter Politikwissenschaftler und war zuvor unter anderem Professor an der Universität der Vereinten Nationen in Bonn und Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik.

In Eine Stunde Talk erzählt Dirk Messner, wie der Umbau der Wirtschaft gelingen kann und was ihn daran gereizt hat, Chef einer Behörde zu werden.