Nachts im Bett zu liegen und sich zu fragen, warum ausgerechnet jetzt das Gedankenkarussell einfach nicht aufhört - das kennen viele nur zugut. Ein Forscher-Duo konnte jetzt erstmals messen, wo Gedanken anfangen und enden.

Wir denken durchschnittlich 6200 Gedanken am Tag. Das ist die Überschlagsrechnung eines Forscher-Duos der Queens University im kanadischen Kingston. Mit ihrer Studie, die sie im Fachmagazin Nature Communications veröffentlicht haben, wollten die Forschenden herausfinden, wie man erkennen kann, wann ein Gedanke endet und ein neuer beginnt.

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Für die Untersuchung haben die Forschenden Hirnscans von 184 Probandinnen und Probanden erstellt. Dann haben sie die Länge der einzelnen Gedanken überschlagen und dabei einige tausend unterschiedliche Gedanken-Muster pro Person und Tag errechnet. So sind sie auf auf die durchschnittlichen 6200 Gedanken gekommen.

Jeder Mensch denkt in individuellen Mustern

Wie Anfang und Ende eines Gedanken erkannt werden können, erklärt der Neurowissenschaftler Henning Beck an einem Beispiel: Wenn man eine Person bittet, an ein Brot zu denken, dann aktiviert sich in ihrem Gehirn ein Brot-Muster. Bittet man sie danach, an einen Apfel zu denken, so folgt auf das Brot- das Apfel-Muster. Da sich die Nervenzellen bei dem Übergang von einem zum anderen Muster bei jeder Person ganz individuell neu synchronisieren, können diese Übergänge erkannt und gemessen werden, sagt Henning Beck.

"Man kann die verschiedenen Zustände, die ein Gehirn einnimmt, messen."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Die Messungen der Studie sind allerdings nur sehr grob. Anstatt einen Gedanken bis ins Detail zu analysieren, haben die Forschenden nur die groben Übergänge von einem großen Gedanken zu einem anderen großen Gedanken gemessen.

Wir können nicht nichts denken

Gedanken kommen niemals aus dem Nichts, sondern entstehen immer aus dem vorher Gedachten. Unser Gehirn ist also permanent am Denken, erklärt Henning Beck. Auch beim Meditieren ist das Gehirn sehr aktiv.

"Das Gehirn denkt permanent. Jeder Gedanke entwickelt sich aus einem Gedanken heraus."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Doch warum entstehen die endlosen Gedanken-Karusselle immer dann, wenn wir kurz vor dem Einschlafen sind? Wenn wir grübeln, springen bestimmte Netzwerke im Gehirn an. Diese grübelnden Gedanken begünstigen sich immer wieder selbst, da unser Gehirn im Bett zu wenig andere Ablenkung hat und wir nur mit uns selbst beschäftigt sind.