Denk nicht an einen rosa Elefanten! Das ist ein bekannter Satz. Doch sobald dieser geäußert wird, lässt es sich kaum vermeiden, dass das entsprechende Bild sich in unserem Kopf einstellt. Der Neurowissenschaftler Henning Beck hat ein paar Tipps, wie es uns gelingen kann, unerwünschte Gedanken von uns fernzuhalten, wenn sie sich uns plötzlich aufdrängen.

Manchmal genügt ein kleiner Schlüsselreiz, um Erinnerungen in unserem Kopf wachzurufen, sagt der Neurowissenschaftler Henning Beck. Das kann ein Geruch sein, ein Raum oder ein Bild. Dann kann es vorkommen, dass wir uns dadurch plötzlich an eine Person oder eine Situation erinnern, an die wir eigentlich nicht mehr denken wollten, weil diese Erinnerung möglicherweise unangenehme Gefühle ins uns auslöst.

Intensive emotionale Erfahrungen werden oft mit Schlüsselreizen verknüpft

Mit Schlüsselreizen verknüpft unser Gehirn insbesondere Erfahrungen, die für uns besonders emotional oder überraschend waren. Ein hypothetisches Beispiel, um das Ganze zu illustrieren: Wer beispielsweise im offenen Meer mal in das geöffnete Maul eines Weißen Hais geblickt - und das überlebt - hat, denkt möglicherweise beim Anblick eines Zahns auf dem Logo einer Zahnarztpraxis automatisch an diese traumatische Erfahrung zurück. Auch wenn der Schlüsselreiz und die Erfahrung in diesem Fall im Prinzip überhaupt nichts miteinander zu tun haben.

"Du hast gar nicht so genau unter Kontrolle, was in deinem Kopf passiert. Auch wenn der Kopf dir immer vorgaukelt, du hättest es unter Kontrolle."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Dass ein Schlüsselreiz bestimmte Gedanken oder Erinnerungen auslöst, erfolgt dabei, ohne dass wir das wollen oder planen und lässt sich nur schwer steuern, sagt der Neurowissenschaftler.

Vorab ein Ausweichmanöver zurechtlegen

Weil negative Emotionen besonders intensiv sind, kann es daher sein, dass sie bei einem Schlüsselreiz augenblicklich wieder in unserem Kopf präsent sind. Und an negative Erfahrungen wollen die meistens von uns nicht unbedingt wieder und wieder erinnert werden. Das zu kontrollieren, sei zwar nicht einfach, aber es kann klappen, sagt der Neurowissenschaftler.

An ein blaues Nashorn denken, statt an einen rosa Elefanten

Israelische Forschende haben sich in einer Studie damit befasst, welche 'Ausweichmanöver' wir nutzen können, wenn wir bestimmte Gedanken vermeiden wollen, um uns selbst davor zu schützen.

Dafür müsse man zunächst den 'Trigger' identifizieren, also den Schlüsselreiz, der beispielsweise eine negative Erinnerung in uns hervorruft, sagt der Neurowissenschaftler. Als Nächstes gelte es dann, diesen Trigger mit einer neuen Assoziation zu verknüpfen. Zum Beispiel, in dem wir bewusst an ein blaues Nashorn denken, wenn uns jemand sagt: 'Denk' nicht an einen rosa Elefanten.' Dabei ist es wichtig, sich nicht stressen zu lassen, wenn wir einen Schlüsselreiz wahrnehmen, sondern sofort den 'Ausweichgedanken' zu aktivieren und sich darauf zu konzentrieren.

Das Gehirn lasse sich nicht so leicht kontrollieren, deshalb gehöre ein wenig Übung dazu, diese Strategie erfolgreich einzusetzen, sagt der Neurowissenschaftler.

"In dieser Studie hat man geschaut, kann man sich so 'preppen', dass man sich vor der automatischen Gedankenassoziation mit einem Abwehrmanöver darauf vorbereitet, an etwas anderes zu denken."
Henning Beck, Neurowissenschaftler