Während Frauen Beeren und Pflanzen gesammelt haben, waren die Männer auf der Jagd. Das ist das typische Bild, das uns in den Kopf kommt, wenn wir an die Zeit der Jäger und Sammler denken. Neueste Ausgrabungen zeigen aber: Zu den Jägern gesellten sich auch Jägerinnen.

Forschende aus den USA und Peru haben in den Anden von Peru ein 9000 Jahre altes Grab gefunden mit den Knochen einer 17- bis 19-jährigen Frau. Das allein mag noch keine Sensation sein, doch die Grabbeigaben, die viel über die damaligen Tätigkeiten der Begrabenen aussagen, sind es.

Denn neben den Knochen der jungen Frau fanden die Forschenden vor allem Werkzeuge wie Geschossspitzen und scharfe Steine. Sie deuten darauf hin, dass die Begrabene regelmäßig jagen war, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sabrina Loi.

"Es gab früher auch ganz klar Jägerinnen."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Zudem haben die Forschenden durch eine Isotopenanalyse herausgefunden, dass die junge Frau regelmäßig Fleisch gegessen hat. Diese zwei Aspekte führten das Team zu dem Schluss: Die junge Frau muss eine Jägerin gewesen sein.

30 bis 50 Prozent Jägerinnen in Amerika

Da die Forschenden von diesem Einzelfall nicht auf den Normalfall schließen konnten, haben sie sich die Daten von weiteren 429 entdeckten Toten aus 107 verschiedenen Fundorten in Nord- und Südamerika angesehen. Um die Jäger und Jägerinnen als solche zu identifizieren, haben sich die Forschenden immer an den Grabbeigaben orientiert.

Nach dieser Analyse konnte das Team weitere 26 Gräber von Jägern und Jägerinnen ausmachen. In zehn von ihnen lagen Frauen. Mit der jungen Frau aus Peru erhielten sie also eine Quote von elf Frauen zu 16 Männern

"Am Ende haben die Forschenden 26 weitere Gräber von Jägern ausmachen können oder besser gesagt: von Jägern und Jägerinnen."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Der Schluss der Forschenden ist deshalb: In Amerika müssen 30 bis 50 Prozent der Jäger weiblich gewesen sein. Eine strikte Arbeitsaufteilung nach Geschlechtern scheint also unwahrscheinlich. Die Forschenden gehen sogar davon aus, dass die Gruppen, in denen Frauen und Männer zusammen auf der Jagd waren, aufgrund der größeren Gruppenzahl auch erfolgreicher waren.

Forschung über Jahrzehnte von Männern geprägt

Diese These wird von Historikerinnen und Historikerin schon länger vertreten. Da die Forschung allerdings lange Zeit von Männern geprägt wurde, hat sich das Weltbild der Sammlerin und des Jägers nach und nach etabliert. Eine Grabentdeckung aus den 70er Jahren, bei der auch das Skelett einer Frau mit Speerspitze gefunden wurde, hat daran nichts ändern können.

"Es gibt halt Stereotype, die auch von Forschenden reproduziert worden sind - vor allem von männlichen Forschern - und die haben oder hatten zumindest auch ein ganz bestimmtes Weltbild im Kopf."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Rückschlüsse auf die Steinzeit-Menschen der ganzen Welt kann der neue Fund aus Peru aber nicht geben. Auch heute ist es generell noch so, dass die Geschlechter-Aufteilung in den Naturvölkern sehr strikt gehalten ist. Auch andere archäologische Funde zeigen, dass es mehr männliche Jäger gab. Für die zukünftige Forschung könnte also interessant sein, zu untersuchen wann und warum es Veränderungen in der Aufteilung der Geschlechter gegeben hat, sagt Sabrina Loi.