In Spanien sind 2022 bereits 110 Hektar Wald- und Buschland verbrannt, in Indien und Pakistan werden Hitzerekorde gebrochen, Seen und Flüsse trocknen aus - und auch in Deutschland hinterlässt die Klimakrise bereits deutliche Spuren. Der Kampf um Trinkwasser hat schon begonnen.

Deutschland hat in den letzten 20 Jahren 2,5 Gigatonnen Wasser verloren - das entspricht in etwa dem Umfang des Bodensees. Das zeigen Auswertungen des Global Institute for Water Security der Grace-Satelliten, die Veränderungen der Schwerkraft der Erde messen.

Trinkwasser wird zum rechtlich umstrittenen Gut

Damit zählt Deutschland zu den Regionen, die weltweit am meisten Wasser verlieren. Das zeigt sich auch vor Gericht: Laut einer Correctiv-Recherche häufen sich die Klagen verschiedener Akteure.

Unternehmen wollen mehr Wasser zu einem günstigeren Preis pumpen, Landwirt*innen brauchen Wasser für ihre Felder, Kommunen gehen gegen Konzerne für sauberes Trinkwasser vor und Umweltverbände kritisieren die Wasserwirtschaft, die der Industrie zu viel Wasser bereitstellt. In Bayern etwa haben sich die Verfahren in Sachen Trinkwasser in den letzten zehn Jahren verdoppelt.

"Um so wärmer es wird, desto mehr verdunstet und um so höheren Wasserstress werden wir haben und die Extreme werden schlimmer."
Fred Hattermann, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung

Fred Hattermann ist Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Er blickt mir Sorgen auf Ernteausfälle, ausgetrocknete Wälder und die Industrie, die immer mehr Wasser verbraucht. Noch sei der Zustand nicht erreicht, doch Deutschland könnte in den kommenden Jahren in Wasserstress geraten.

Damit ist laut Umwelt-Bundesamt der Zustand gemeint, wenn in einem Jahr 20 Prozent mehr Wasser des gesamten Angebots entnommen wurde, als im langfristigen Mittel. Zum Vergleich: 2016 wurden fast 13 Prozent mehr Wasser entnommen.

Folgen von Wasserknappheit sind vielfältig

Ohne Wasser keine Landwirtschaft und keine Lebensmittel. Doch das ist nicht alles. Die Folgen von Wasserknappheit sind vielfältig. Beispielsweise gäbe es ohne Wasser auch keinen Strom, denn die Kernkraftwerke müssen damit gekühlt werden.

Wasser spielt aber zum Beispiel auch eine große Rolle in der Logistik: Massengüter werden zum Teil über Flüsse geliefert. Trocknen diese aus, ist die Lieferung auch nicht mehr möglich, so der Klima-Experte.

"Als Indikator schauen wir auf den Niederschlag. Das Problem: Davon gelangt nicht alles in das Grundwasser, denn wir müssen die Verdunstung noch abziehen – und es verdunstet mehr, je heißer es wird."
Fred Hattermann, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung

Gemessen wird die Wasserknappheit an den Niederschlagsmengen. Die waren in den vergangenen Jahren niedriger als im langfristigen Mittel: 2018 um 25 Prozent, 2019 um 7 Prozent und 2020 um circa 10 Prozent.

Aber der Experte macht deutlich: Nicht alles gelangt in Flüsse und ins Grundwasser. Denn steigt die Temperatur, verdunstet mehr Wasser. Auch wenn es wie im vergangenen Sommer in der Eifel zu teilweise extremen Niederschlägen kommt, kann der ausgetrocknete Boden das Wasser gar nicht aufnehmen. Es fließt einfach ab – in Keller, Straßen und Flüsse.

"Der Wasserbedarf für die Einzelpersonen – Trinkwasser und Hygiene – hat die höchste Priorität. Danach erst kommt Industrie, Landwirtschaft und die anderen Nutzer."
Fred Hattermann, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung

Sollte das Wasser tatsächlich knapp werden, werden Haushalte zwar priorisiert, doch eine Lösung ist das nicht, sagt der Experte. Deutschland wird nicht darum herum kommen, Wasser zu sparen – auch nicht die einzelnen Bürger*innen.

Kurz duschen statt baden, Spülmaschine anschaffen statt spülen, Regenwasser für den Rasen nutzen – all das sind Tipps vom Experten, die in Zukunft auch verordnet werden könnten.