Im April fielen drei Prozent des üblichen Niederschlags. Droht nach 2018 und 2019 ein weiteres Dürrejahr? Die Landwirte sind alarmiert. Zu Recht, so der Agrarwissenschaftler Thomas Berger. Die Landwirtschaft könne sich anpassen, aber nicht an extreme Dürre.

In den vergangenen Tagen hat es in Deutschland zwar geregnet, dennoch gibt es eine extreme Frühjahrstrockenheit, sagt Thomas Berger, der an der Uni Hohenheim den Lehrstuhl für Ökonomik der Landnutzung leitet. "Die Bodenwassergehalte sind sehr gering", sagt er. Um die Menge des im Boden vorhandenen Wassers wieder aufzufüllen, bräuchte es anhaltenden Regen.

In der Zukunft wird es häufiger zur Frühjahrstrockenheit kommt, sagt Thomas Berger. Die regionalen Klimavorhersagen machten deutlich, dass es in Deutschland und auch in Europa insgesamt zu weniger Sommerniederschlägen kommen wird, dafür zu mehr Winterniederschlägen. Insgesamt wird es wohl wärmer werden und Kälteperioden ganz verschwinden, so der Wissenschaftler.

"Dass es wie jetzt eine Frühjahrstrockenheit gibt, dürfte in Zukunft verstärkt auftreten."
Thomas Berger, Leiter des Lehrstuhls für Ökonomik der Landnutzung an der Uni Hohenheim

Im April und März wird normalerweise durch die Winterniederschläge der Boden mit Wasser aufgefüllt. "Das Wasser steht dann den Pflanzen im Frühjahr und Sommer zur Verfügung", sagt Thomas Berger.

Doch 2020 war es im März und April so trocken, dass teils das neu ausgesäte Getreide nicht keimen konnte. Auch beim Raps gab es Schäden, ebenso auf den Wiesen und Weiden, was wiederum Folgen für die Viehwirtschaft hat.

Veränderter Anbau in der Landwirtschaft

Die Land- und auch Forstwirtschaft reagiert längst auf die Trockenheit zum Beispiel, indem der Anbau zeitlich verschoben wird. Das hilft. Aber an solche extreme Dürrejahre wie 2018 und 2019 können sich Land- und Forstwirtschaft nicht anpassen, so der Agrarwissenschaftler.

Dennoch gibt es auch an der Uni Hohenheim Forschungsprojekte, die helfen sollen die Trockenheit zumindest einzudämmen und für mehr Niederschlag zu sorgen.

Dazu gehört zum Beispiel, dass man sich die klimatischen Effekte durch Veränderungen der Landschaft genau anschaut. Es ist bekannt, dass es im Sommer mehr regnet, wenn die Luft über einer Vegetation feuchter ist, so Thomas Berger. Doch diese Effekte bewusst herbeizuführen, ist nicht einfach.

Mehr Bewässerung?

Es gibt aber auch einfache Möglichkeiten, wie zum Beispiel Windschutzhecken, damit der Wind den trockenen Boden nicht wegfegen kann. Oder Landwirte verzichten auf den Einsatz des Pflugs, um mehr Wasser im Boden zu behalten. Doch zugleich muss die Landwirtschaft ausreichend Erträge bringen.

"Wir müssen eine Mischung finden, die im Durchschnitt der Jahre einen guten Ertrag bietet."
Thomas Berger, Leiter des Lehrstuhls für Ökonomik der Landnutzung an der Uni Hohenheim

Eine weitere Möglichkeit ist es, mehr Bewässerungslandwirtschaft in Deutschland zu betreiben. Aktuell werden vier Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche gezielt bewässert. Zum Beispiel für den Anbau von Kartoffeln, teils auch bei dem Obstanbau.

Bislang war mehr Bewässerungslandwirtschaft nicht nötig und es gibt strenge Regeln, was die Nutzung von Grundwasser und auch Oberflächenwasser betrifft.

"Das hat auch einen Sinn. Man will ökologische Schäden durch eine zu hohe Wasserentnahme verhindern", sagt Thomas Berger. Dennoch könne man darüber nachdenken, ob nicht mehr Bewässerungslandwirtschaft möglich sei.

Hier könne man auch überlegen, ob geklärtes Abwasser genutzt werden könnte. "Das sind alles Fragen, die uns in den nächsten Jahren und Jahrzehnten beschäftigen werden", sagt Thomas Berger.