Tausend Jahre lang herrschte Frieden in den Anden, obwohl die Gegensätze innerhalb der Bevölkerung damals noch viel schwerer unter einen Hut zu bekommen waren als heute in der Europäischen Union. Die EU könnte sich also eine Scheibe von der damaligen Hochkultur abschneiden.

Vor drei bis vier Jahrtausenden existierte in den Anden eine Hochkultur, die die Altamerikanistin Leonora Peters erforscht hat. "Umbruchphasen gibt es immer", sagt die Wissenschaftlerin von der FU Berlin. Demnach dürfte das, was augenblicklich in Großbritannien geschieht, für sie keine große Überraschung sein. Vorgänge wie der Brexit gehören ihrer Meinung nach zum Lauf der politischen Geschichte dazu.

"Viele der Fragen, mit denen wir uns heute in der EU auseinandersetzen, sind damals schon bearbeitet, erkundet und hinterfragt worden."
Leonora Peters, Altamerikanistin

Den Mittelpunkt des Anden-Reiches bildete die heilige Stadt Caral, deren Pyramiden und Ruinen noch heute zu besichtigen sind. Die Reste aus ihrer Blütezeit liegen etwa 200 Kilometer nördlich von Peru. Es war eine Sensation, als die Archäologin Ruth Solís die Stadt Caral im Jahr 1994 aus dem tiefen Wüstenschlaf erweckte.

Caral birgt noch viele Geheimnisse

Über die Andenhochkultur ist bisher nur wenig im Einzelnen bekannt, weil viele Schriften aus der Zeit, die in Berlin lagern, noch nicht entschlüsselt werden konnten. Peters' Vortrag trägt den Titel: "Rückblick in die Zukunft: Anden-Philosophie und -Mathematik. Wie uraltes Wissen uns heute voranbringen kann".

"Wenn man sich auf die Logik der Andenhochkultur bezieht, haben wir ein Reservoir an Erkenntnissen, die völlig verrückt sind."
Leonora Peters, Altamerikanistin

Peters hat am 1. September 2015 vor der Sommeruni in Berlin gesprochen, die unter dem Titel stand "Mensch, entwickle Dich". Veranstalter waren die Berliner Sommerakademie und die Universität der Künste.

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