Viele Unternehmen sind unzufrieden mit den Bachelor-Absolventen. Zu wenig Fachkenntnis und Praxiserfahrung, sagen sie. War ja klar.

Bevor es den Bachelor gab, da haben die Unternehmen gejammert: Die Uni-Absolventen in Deutschland sind zu alt. Sie studieren zu lange. Im internationalen Vergleich war da was dran. Also kam der Bachelor. Nun stellt sich aber heraus: Die Unternehmen sind immer noch nicht zufrieden. Das hat Eric Schweitzer, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) gegenüber der Welt in einem Interview erklärt.

Theorie und Praxis - alles in drei Jahren

Nur rund 47 Prozent aller Unternehmen sehen ihre Erwartungen an Bachelor-Studenten erfüllt - im Jahr 2011 waren es noch 63 Prozent. Fachlich und methodisch seien die Absolventen nicht kompetent genug, so ihr Urteil. Aber für lange Praktika oder zusätzliche Praxissemester fehlt den Studierenden oft schlicht die Zeit.

"Frag mal einen Bachelor-Studenten, ob der nicht mal noch drei bis sechs Monate Praktikum einlegen kann. Ich glaube, da würden viele anfangen zu lachen - oder zu weinen."
Tina Kießling, DRadio-Wissen-Nachrichten

Schweitzer spricht auch von "Überakademisierung". Er sagt, dass es einen Boom bei den Studentenzahlen gab, zulasten der dualen Berufsausbildung. Doch auch das ist eine Frage der Perspektive: Die OECD beispielsweise bemängelt jährlich die Akademikerrate in Deutschland, die liegt nämlich derzeit bei unter 30 Prozent. In Korea haben zum Vergleich rund 70 Prozent einen Hochschulabschluss, in Kanada und Japan 60 Prozent.

"Während die einen also sagen, wir haben viel zu viele Studis, sagen andere, dass es viel zu wenige sind."
Tina Kießling, DRadio-Wissen-Nachrichten

Ob wir nun also mehr oder weniger Studierende brauchen, die Studiengänge weiter beschränken sollen, wie Schweitzer es fordert, oder nicht: Aus der individuellen Perspektive ist klar, dass Akademiker nach wie vor im Vergleich seltener arbeitslos und auch besser bezahlt werden als Nicht-Akademiker. Das spricht weiterhin für ein Studium.