Jedes Jahr müssen eine halbe Million Menschen im Ausland nach Arbeit suchen. Die Liebe bleibt dabei oft auf der Strecke - es sei denn, man verliebt sich via Facebook. DRadio-Wissen-Reporterin Simone Utler hat ein Pärchen kennengelernt, das sich erst fünf Tage vor ihrer Hochzeit zum ersten Mal persönlich getroffen hat.

Als Sonam und Maya sich bei Facebook gefunden haben, hat sie in Hongkong gelebt und gearbeitet, er in Katar. Sonam hat sich Maya ganz bewusst gesucht, weil er - seit er in Katar arbeitet - seine Heimat so sehr vermisst. So kennen sie sich seit 21 Monaten. In dieser Zeit haben sie nur gemailt, gechattet und telefoniert.

"Prinzipiell kommt es Nepalesen nicht so merkwürdig vor wie uns, jemanden zu heiraten, den man nicht wirklich kennt. Auch heute werden in Nepal noch etwa drei Viertel der Ehen arrangiert."
DRadio-Wissen-Reporterin Simone Utler

Die Hochzeit hat einen ganzen Tag gedauert. "Es gab gutes Essen, viel zu trinken, Hindi-Pop, zu dem alle wild abgetanzt haben", erzählt Simone, "aber trotzdem hing irgendwas Schweres über dem Fest." Die Mutter der Braut war nicht da, weil sie im Ausland arbeitet und keinen Urlaub bekommen hat. Wie die Zukunft von Sonam und Maya aussieht, ist unklar: Er hat ein Visum für Katar, sie eines für Hongkong.

Nepalesen lassen Partner und Kinder in der Heimat zurück

Rund sechs Millionen Nepalesen leben im Ausland. Also etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung. Das bedeutet auch: Männer und Frauen lassen ihre Partner und sogar Kinder zurück, weil sie keine Alternative haben. Nur mit dem Geld aus dem Ausland können sie ihre Familie ernähren oder den Kindern eine Ausbildung ermöglichen. Nepal ist das ärmste Land Südasiens, fast jeder zweite Mensch ist arbeitslos, gute Schulbildung ist teuer.

Sonam und Maya heißen eigentlich anders, sie haben Simone aber gebeten, ihre echten Namen nicht zu nennen.