Wir sollten mehr über Hodenkrebs sprechen, sagt Matthias Thönnessen. Vor über zehn Jahren wurde er von der Diagnose Hodenkrebs überrascht. Die Krebsart kommt zwar selten vor, am häufigsten erkranken aber Männer im jungen Alter daran. Wird der Krebs frühzeitig behandelt, sind die Heilungschancen sehr gut.

Vorsorge ist wichtig für unsere Gesundheit – und damit können wir selbst ganz einfach zu Hause anfangen. Um Krankheiten wie Krebs frühzeitig zu erkennen, hilft es, wenn wir uns regelmäßig abtasten. So können Frauen regelmäßig ihre Brust kontrollieren und genauso Männer ihre Hoden.

Mehr über den eigenen Körper wissen

Hodenkrebs ist eine eher weniger bekannte Erkankung und betrifft vor allem jüngere Männer. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) bekommen in den meisten Fällen Männer und Menschen mit Penis im Alter von 25 bis 45 Jahren die Diagnose Hodenkrebs. Das sei im Vergleich zu anderen Krebsarten früh.

Oft wissen Männer – besonders in diesem Alter – allerdings nur wenig über ihre Hoden und das mögliche Krebsrisiko. Das beobachtet Matthias Thönnessen immer wieder. Er ist mit 21 Jahren selbst an Hodenkrebs erkrankt. Einer seiner Hoden musste deshalb entfernt werden, eine Chemotherapie folgte. Heute ist Matthias Thönnessen symptomfrei.

"Gerade weil Hodenkrebs oft bei jungen Männern auftaucht – die das oftmals nicht wissen – kann es auch einfach übersehen werden. Dementsprechend ist es so wichtig, dass man darüber spricht."
Matthias Thönnessen, Organisatin "Movember"

Seit 2014 setzt er sich in der Organisation "Movember" für mehr Aufklärung über Gesundheitsthemen ein, die Männer betreffen. Rund 4000 Menschen mit Penis erkranken jedes Jahr an Hodenkrebs, so das RKI. Damit hat die Krebsart einen Anteil von 1,6 Prozent an allen Krebserkrankungen, die bei Männern entstehen können. Hodenkrebs kommt also eher selten vor. Allerdings gilt Hodenkrebs als sehr gut heilbar – wenn er frühzeitig diagnostiziert und behandelt wird.

So geht Hoden abtasten

Die Deutsche Krebsgesellschaft empfiehlt daher, die Hoden regelmäßig abzutasten. Es sollte zu einer Routine werden. Am besten funktioniert das Abtasten unter der Dusche oder in der Badewanne, wenn der Hodensack tiefer hängt und man an ihn gut ertasten kann.

Erst sollte der Hodensack mit beiden Handflächen gehalten werden, um ihn mit dem Daumen und den anderen Fingern abzutasten. Im Anschluss ist es wichtig, die Hoden noch mal einzeln zu untersuchen. Dazu mit Mittelfinger, Zeigefinger und Daumen einen Hoden von jeder Seite abtasten und überprüfen, ob er angeschwollen ist, sich vergrößert hat oder sich anders fest anfühlt.

Auch ein Schweregefühl oder Ziehen im Hoden oder in der Leiste oder Schmerzen an den Hoden allgemein sollten ernst genommen werde. Gibt es irgendwelche Veränderungen, sollten Urolog*innen die Hoden unbedingt untersuchen. "Am besten lernt man seine Hoden kennen und kann einmal im Monat gucken, ob irgendwelche Veränderungen auftreten", sagt Matthias Thönnessen.

Über psychische und physische Gesundheit sprechen

Zusätzlich hilft es, in der Familie nachzufragen, ob Familienmitglieder in der Vergangenheit eventuell an Hodenkrebs erkrankt sind. Denn die genetische Vorbelastung könnte auch das eigenen Krebsrisiko erhöhen. Allgemein findet Matthias Thönnessen, sollten Männer sich gegenseitig mehr fragen, wie es ihnen geht. Das könne den Raum dafür öffnen, sich über Gesundheitsthemen wie Vorsorgeuntersuchung auszutauschen.

In seiner Arbeit für die Organisation "Movember" erlebt er noch häufig, wie schwer es Männern fällt, über ihre physische und psychische Gesundheit zu sprechen. Matthias Thönnessen vermutet, dass das damit zusammenhängt, wie Männer und Menschen mit Penis aufwachsen – auch heute noch. Sprüche wie "Männer sollen keine Schwäche zeigen" führen noch immer dazu, dass viele Männer lernen, ihre Schmerzen zu unterdrücken, sagt er.

"Es ist wichtig, dass sich Männer untereinander häufiger fragen, wie es einem geht."
Matthias Thönnessen, Organisatin "Movember"

Daher findet Matthias Thönnessen wichtig, wenn bekannte Personen wie Fußballer öffentlich über Themen wie Hodenkrebs sprechen. Die Fußballprofis Timo Baumgartl und Marco Richter haben zum Beispiel ihre Diagnose Hodenkrebs bekannt gemacht und darüber gesprochen, wie sehr sie die Diagnose überrascht hat. Das zeigt wiederum, wie entscheidend Information und Aufklärung darüber sind.

  • Kurz und Heute
  • Moderatorin:  Jenni Gärtner
  • Gesprächspartner:  Matthias Thönnessen, ist vor über zehn Jahren selbst an Hodenkrebs erkrankt, engagiert sich bei der Organisation "Movember"