Die Feiertage stehen an, wir sind mitten im harten Lockdown und haben jetzt mehr Zeit für uns. Wer keine Lust hat, auf einen Bildschirm zu starren oder die Nase in Bücher zu stecken, kann sich einfach Geschichten anhören – in Hörbüchern. Welche Plattformen sich lohnen, was ihr dort findet, und wo es auch kostenlose Angebote gibt, erklärt euch unsere Literatur-Reporterin Lydia Herms.

Große Streaming-Dienste für Hörbücher und Hörspiele gibt es einige. Ihre Inhalte bieten sie in der Regel gegen Bezahlung an, etwa in einem Abo. Bei wem das Portemonnaie gegen Ende des Jahres etwas schmaler ausfällt, findet online aber auch kostenfreie Alternativen.

Laien lesen vor

Eine von ihnen ist die frei zugängliche Seite Libri Vox. Alle Audios dort haben Freiwillige eingesprochen – also auch Laien, die sich als Sprecherin oder Sprecher ausprobieren. Das Angebot könnt ihr nach Genre oder Sprache filtern und findet dann zum Beispiel über 2000 Hörbücher auf Deutsch.

Das meiste darunter sind Klassiker von größtenteils männlichen Autoren wie Goethe, Nietzsche, E.T.A. Hoffmann und auch vorgelesene Texte von Alexander von Humboldt oder Charles Darwin.

Hörbücher und Hörspiele kostenlos

Wer sich eine vielfältigere Auswahl an Fiktion wünscht, dem empfiehlt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Lydia Herms die Seite vorleser.net, von der es auch eine gleichnamige App gibt. Unter den mehr als 750 kostenlosen Hörbüchern und Hörspielen sind Klassiker und Märchen, aber auch Texte, die gerade wieder viel gelesen werden, wie Sherlock Holmes von Arthur Conan Doyle.

Hinter der Seite steckt ein Leipziger Studio, das die Hörbücher zusammen mit professionellen Sprecherinnen und Sprechern produziert – Lydia Herms ist eine von ihnen.

"Viele Podcasts der öffentlich-rechtlichen Radioanstalten sind auf Lesungen und Hörspiele spezialisiert."
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova

Für Lesungen aus Büchern rät sie zudem zu den Audiotheken von ARD und vom Deutschlandradio. Der ARD Radio Tatort, 1Live Stories oder die Vorträge im Hörsaal von Deutschlandfunk Nova bieten ihre Sendungen auch als Podcast an. Nicht alle Audios sind aber unbegrenzt abrufbar.

Englische Hörbücher for free

Wenn ihr Lust habt, gleichzeitig euer Englisch etwas aufzupolieren, werdet ihr bei der Non-Profit-Internetbibliothek archive.org fündig. Das Online-Archiv dokumentiert neben Zeitschriften, Bildern, Software und Schallplatten auch Hörbücher: Mehr als 19.000 stehen hier kostenlos zur Verfügung. Der Großteil davon ist auf Englisch, zum Beispiel Klassiker wie Alice im Wunderland oder Huckleberry Finn. Auf Deutsch gibt es unter den Tausenden Hörbüchern derzeit nur zwei: eine Sammlung Deutscher Gedichte und Erzählungen von Alexander Puschkin.

Onleihe der Stadtbibliotheken

Habt ihr einen Stadtbibliotheksausweis, checkt mal, ob eure Bibliothek bei der Onleihe mitmacht. Nutzerinnen und Nutzer können darüber auch vertonte Literatur für bis zu 14 Tage lang ausleihen. Ist die Zeit abgelaufen, verschwindet das Hörbuch vom Smartphone oder Desktop. Ist ein Hörbuch gerade ausgeliehen, kommt es hier allerdings auch zu Wartezeiten – wie in der Bibliothek vor Ort. Und: Um die Onleihe zu nutzen, ist eben ein Bibliotheksausweis nötig. Je nach Bibliothek kann der zwischen etwa fünf und 30 Euro im Jahr kosten.

Übersicht fehlt

Eine gute Übersichtsseite zu allen Online-Plattformen für Hörbücher kann die Deutschlandfunk-Nova-Reporterin leider nicht empfehlen. Zwar gibt es Seiten wie gratis-hoerspiele.de oder hörbuch.com über die eine Suche möglich ist, User sollten sich aber auf viel Pop-up-Werbung einstellen, wenn sie diese Seiten besuchen, sagt Lydia.

Lydias Tipp: Hören in schwarz-weiß

Lydia selbst hört übrigens gerade die Folgen vom CBS Radio Mystery Theater, eine englischsprachige Hörspielserie, die in den 1970er-Jahren im CBS Radio lief. "Das ist Schwarz-Weiß-Kino im Kopf", sagt die Deutschlandfunk-Nova-Reporterin.