"Schwindsucht" oder "Weißer Tod" hieß die Lungenkrankheit Tuberkulose früher. So verbreitet war sie in Europa, dass sie einen festen Platz in Kunst und Literatur hatte. Heute ist Tuberkulose bei uns kein Thema mehr - weltweit aber doch.

Wenn der Dozent am Rednerpult Tuberkulose hat, wo muss ich mich hinsetzen, um auf keinen Fall infiziert zu werden? Ist die erste Reihe noch sicher? Oder erst die zehnte? Sollte ich lieber gar nicht zur Vorlesung erscheinen?

Ulrich Schaible ist Biologe und Leiter der Forschungsgruppe "Zelluläre Mikrobiologie" am Leibniz-Zentrum Borstel. Er sucht neue Wege, um Tuberkulose zu bekämpfen. Denn immer mehr Tuberkuloseerreger sind multiresistent, sie lassen sich nicht mehr mit den üblichen Antibiotika behandeln. In manchen Gegenden der Erde, zum Beispiel in Kasachstan, gilt das für 30 Prozent der Neuinfektionen.

"Jede Sekunde ungefähr wird jemand auf der Welt mit Tuberkulose infiziert, und alle 18 Sekunden stirbt jemand an der Tuberkulose. Das sind alle zwei Stunden ein Absturz eines Jumbojets."
Ulrich Schaible, Forschungszentrum Borstel

Auf der Veranstaltung "Vom Winde verweht: Infektionserreger verbreiten sich über die Luft" des Leibniz-Forschungsverbunds "Infections' 21" erzählt Schaible von seiner Arbeit.

"Stellt man ein Meerschweinchen im Käfig in ein Patientenzimmer und der Patient hustet infektiöse Erreger, wird wahrscheinlich das Meerschweinchen hinterher infiziert sein und relativ schnell daran sterben, weil es empfindlich auf Tuberkulose reagiert."
Ulrich Schaible, Forschungszentrum Borstel

Wie weit fliegen Tuberkuloseerreger und welche Rolle spielen dabei Faktoren wie Luftfeuchtigkeit und Temperatur? Das erforscht Kerstin Schepanski am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig.

Ulrich Schaible und Kerstin Schepanski haben ihre Vorträge am 3. Dezember 2015 in Mannheim gehalten, auf dem Leibniz-Forum "Infections' 21 – Bekämpfung von Infektionskrankheiten im 21. Jahrhundert."