Reproduktionsmedizin ist heute Alltag, künstliche Befruchtung ist keine große Sache mehr. Aber ändert sich dadurch etwas für uns, zum Beispiel an unserer Vorstellung davon, was eine Familie ausmacht?

Gemeinsames Abendessen am Küchentisch, jeder erzählt von dem, was er am Tag erlebt hat. So sieht sie aus, die Musterfamilie. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde genau dieses Kleinfamilienmodell tot gesagt. Jetzt ist es wieder auferstanden - mit Hilfe der Reproduktionsmedizin.

"Wenn Sie sich heute im Jahr 2016 eine Musterfamilie anschauen wollen, dann müssen sie zu diesen Regenbogenfamilien gehen. Genau diese Familien lösen das ein, was in den 1980er Jahren als verloren galt."
Andreas Bernard, Kulturwissenschaftler

Andreas Bernard ist kein Mediziner. Er ist Kulturwissenschaftler und genau aus dieser Perspektive untersucht er die Reproduktionsmedizin. Er hat Samenbanken besucht und bei In-Vitro-Zeugungen zugesehen, er hat mit Ärzten, Leihmüttern und Auftragseltern gesprochen. Eine Frage stand für ihn dabei immer im Mittelpunkt: Was macht das mit Familien? Zum Beispiel: Wer gehört zur Familie: Papa, Mama, Leihmutter, Samenspender?

"In all diesen reproduktionsmedizinischen Verfahren kann ein Kind kein zufälliger Faktor mehr sein. Sie können nicht zufällig durch IVF schwanger werden."
Andreas Bernard, Kulturwissenschaftler

Das Ergebnis, zu dem er kommt, ist ziemlich eindeutig: Genau das Gegenteil von dem, was manch Konservativer befürchtet, ist wahr. Ob schwule Eltern, ältere Paare oder Alleinstehende - ihnen allen ist gemeinsam, dass ihre Kinder Wunschkinder sind und dass Familie etwas ist, das für sie noch vor Kurzem nicht möglich war. Sie sind es, die das Idealbild der Kleinfamilie leben und bewahren.

"Der Storch mit der Spritze. Neue Reproduktionstechnologien und die Ordnung der Familie" heißt der Vortrag von Andreas Bernard. Er hat ihn am 3. Mai 2016 am Einstein Forum in Potsdam gehalten.

Mehr zum Thema: