Ich hab keine Zeit! Nimm Dir Zeit! Irgendwie glauben wir zu wissen, was Zeit eigentlich ist. Aber ist das so klar? Existiert Zeit vielleicht nur in unserer Wahrnehmung? Die Philosophie versucht auf verschiedenen Wegen, dem Wesen der Zeit auf den Grund zu kommen.

Gemessen daran, mit welcher Selbstverständlichkeit wir über Zeit sprechen, könnte es erstaunen, wie stark sich der Zeitbegriff im Laufe von mehr als 2000 Jahren Philosophiegeschichte gewandelt hat. Gemessen daran, wie schwer es tatsächlich ist, Zeit zu definieren, erstaunt es wiederum überhaupt nicht.

Was ist eigentlich Zeit?

Habt ihr selbst mal versucht zu erklären, was Zeit ist? Ganz schön schwierig, fanden auch unsere großen Vordenker. Wie Augustinus, dessen berühmter Satz sehr treffend die Ratlosigkeit spiegelt, die uns angesichts der Diskrepanz zwischen unserem intuitiven Wissen um die Zeit und unserer faktischen Ratlosigkeit zu ihr überfällt:

"Was ist also die Zeit? Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es. Wenn ich es aber einem, der mich fragt, erklären sollte, weiß ich es nicht."

Das geht schon los mit dem Jetzt: Was und wann ist Jetzt? Die Grenze zwischen Zukunft und Vergangenheit und gleichzeitig Teil der beiden? Johann Kreuzer, Professor für Geschichte der Philosophie an der Uni Oldenburg, gibt in seinem Vortrag einen Überblick über die wichtigsten Zeitbegriffe in der Philosophie, angefangen bei den Überlegungen von Aristoteles über Augustinus und Kant bis zu Positionen der Gegenwart.

"In dem Augenblick, wo ich 'jetzt' sage, ist 'jetzt' schon vorbei."
Johann Kreuzer, Philosoph

"Und wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es - Die Realität der Zeit", so lautet der Originaltitel von Kreuzers Vortrag. Gehalten hat er ihn am 26. November 2015 im Rahmen der Akademievorlesungen 2015/2016 der Akademie der Wissenschaften in Hamburg.

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