Törööö! Er ist grau, groß und gut. Generationen von Kindern sind mit Benjamin Blümchen aufgewachsen. Und mit Bibi Blocksberg. Manche hören die Hörspiele auch noch als Erwachsene - zum Einschlafen. Dabei ist das Weltbild in vielen Kinderhörspielen eher stereotyp, sagen Wissenschaftler. Bibi Blocksberg zum Beispiel ist eine Spießerin. Hexhex?

Benjamin Blümchen wäre bestimmt gegen Stuttgart21. Schließlich geht es in den Hörspielen oft um Umweltthemen und korrupte Politiker. Da muss Benjamin schon mal einen Baum oder eine Straße besetzen, um seine Sicht auf die Welt durchzusetzen. Ganz anders ist es bei Bibi Blocksberg: Sie würde in einem Einfamilienhaus auf dem Land leben und wäre eine gute Hausfrau und Mutter. Denn auch wenn sie hexen kann, geht es ihr in den Geschichten nicht darum, große Veränderungen herbeizuzaubern. Stattdessen will sie sein wie alle anderen, die nicht zaubern können.

Starre Rollenbilder

Die Wissenschaftler Oliver Emde, Lukas Möller und Andreas Wicke haben Kinderhörspiele aus gesellschafts- und kulturwissenschaftlicher Perspektive untersucht. Einen Teil ihrer Ergebnisse haben sie in dem Buch "Von Bibi Blocksberg bis TKKG" veröffentlicht. Vor allem Bibi Blocksberg kommt dabei nicht so gut weg. In Bibi spiegelt sich das deutsche Weltbild der 80er Jahre: Denn obwohl sie zaubern kann, will Familie Blocksberg vor allem nicht auffallen.

"Eigentlich könnten die beiden Frauen Bibi und Barbara Blocksberg alles tun, was sie wollen, sie sind unglaublich mächtig. Aber sie tun nicht, was sie wollen. Es geht ständig darum, sie zu normalisieren."
Lukas Möller, Pädagoge

Auch bei TKKG ist das Weltbild eher tradiert: Böse seien oft Südländer, Osteuropäer und Menschen mit körperlichen Merkmalen wie zum Beispiel Narben oder einer "Verbrechervisage". Die Wissenschaftler erklären das mit dem Genre selbst: "In Medien für Kinder gibt es immer Zuspitzungen auf bestimmte Charaktertypen, auf bestimmte Eigenschaften." Andererseits gehe es aber auch anders: Bei Jim Knopf oder Pippi Langstrumpf werden die Charaktere differenzierter geschildert.

Immerhin: Die drei Forscher glauben nicht, dass die Inhalte von Kinderhörspielen wirklich prägend für die Entwicklung eines Menschen sind. Bestes Beispiel ist der Wissenschaftler Oliver Emde selbst - er hat mehr als 3000 Kinderhörspiele gesammelt und macht sich mitunter mal eins zum Einschlafen an.