Immer mehr Fahrschüler rasseln durch: Fast jeder Dritte schafft laut Kraftfahrtbundesamt die praktische Prüfung nicht, noch mehr scheitern an der theoretischen. Die Schüler sind aber nicht schlechter geworden, sondern die Prüfungen schwerer. Fahrlehrer Klaus Bartels erklärt, warum so viele durchfallen und gibt Tipps für die Vorbereitung.

Seid ihr auch bei der Führerscheinprüfung durchgefallen? Dann kommt hier ein kleiner Trost: Es liegt nicht nur an euch! Prüfungen sind heute viel umfangreicher und der Fragenkatalog ist vielfältiger geworden, erklärt Kurt Bartels, stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände und selbst Fahrlehrer.

"Es ist für viele junge Leute heute eine riesige Herausforderung, die Fahrerlaubnis zu erwerben."
Kurt Bartels, Vize-Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände

Und nicht nur der Umfang, auch die Qualität hat sich verändert: Früher konnte man immer die gleichen Fragen mit immer den gleichen Bildern auf immer den gleichen Bögen pauken. Heute sind die Prüfungen computergestützt, alles ist digital, die Fragen vielfältiger und die Bilder variabel. 

Mehr Fragen, mehr Verkehr - Führerscheinprüfungen sind schwieriger geworden

Und anders als früher werden heute auch animierte Filme eingesetzt, mit denen Gefahrenwahrnehmung schon in der Theorie-Prüfung abgefragt wird, erklärt Klaus Bartels. Mit bloßem Pauken komme man da nicht weit.

"Das sture Auswendiglernen funktioniert nicht mehr. Die theoretische Prüfung ist anspruchsvoller geworden."
Kurt Bartels, Fahrlehrer

Aber nicht nur die theoretische, auch die praktische Prüfung sei schwieriger geworden: "Bei der praktischen Prüfung erleben wir einen unglaublichen Verkehr", räumt er ein, und dieses "Gewusel auf den Straßen" sei für viele Führerschein-Anwärter eben eine zusätzliche Herausforderung in der Prüfungssituation. 

Städter machen den Führerschein später

Besonders betrifft das die Städter unter uns, die im Schnitt mittlerweile erst im Alter von etwa 22 bis 25 Jahren ihren Führerschein machten. In den ländlichen Regionen fangen viele schon mit 17 Jahren an.

Außerdem gibt es weniger Fahrschulen und die seien gut ausgelastet, so Kurt Bartels. Oft bräuchten die Fahrschüler auch mehr Fahrstunden. Aber ohnehin sei es so: Alle Situationen könne man eben nicht üben. Auch die Intuition ist gefordert, meint er, und das sei eben nicht einfach. Da hilft nur Routine.

Tipps für die Führerscheinprüfung

Leichtere Prüfungen seien im Sinne der Verkehrssicherheit keine Lösung, sagt Klaus Bartels. Stattdessen gibt er den Fahrschülern Tipps:

  • Verteilt eure Fahrstunden nicht über lange Zeiträume, sondern absolviert sie möglichst kompakt in einem  Zeitraum – zum Beispiel zwischen Klausurphasen. So ist der Lerneffekt größer.
  • Besprecht mit eurem Fahrlehrer, wie ihr die Fahrstunden kompakt planen könnt.
  • Vertraut eurer Fahrlehrerin: Wenn sie euch sagt, dass ihr noch nicht weit genug seid, gönnt euch lieber noch ein bis zwei Fahrstunden mehr, bevor ihr euch an die praktische Prüfung wagt. 
  • Bereitet euch intensiv auf die theoretische Prüfung vor. 
  • Und: Geht wirklich erst zur theoretischen Prüfung, wenn ihr euch absolut fit fühlt.