Seit vor zwei Jahren zum ersten Mal öffentlich über den Fall Harvey Weinstein, Übergriffe und Sexismus in Hollywood diskutiert wurde, hat sich einiges verändert. Viele Frauen und Männer sind sensibilisiert. Weinstein selbst sitzt auf der Anklagebank. Doch reicht das? Die Strukturen in der Filmbranche erweisen sich als zäh, sagt Filmjournalistin Anna Wollner.

Der Fall Harvey Weinstein hat die MeToo-Bewegung ausgelöst. Nun, zwei Jahre später, hat in New York der Prozess gegen den Filmproduzenten begonnen. Bis heute sind es über 80 Frauen, die ihm sexuelles Fehlverhalten bis hin zur Vergewaltigung vorwerfen. Zur Anklage kommen derzeit aber nur zwei Fälle. Es geht dabei um Vergewaltigung und sexuelle Nötigung.

"Das Umdenken und vor allem das Umgestalten erweist sich als sehr, sehr zäh."
Anna Wollner, Filmjournalistin

Der Fall zeigt, wie schwierig und langwierig die strafrechtliche Verfolgung ist, meint unsere Filmjournalistin Anna Wollner. Weinstein selbst fühle sich falsch verstanden und bezeichnet sich sogar als Förderer von Frauen, weil es ja viele weibliche Hauptrollen in seinen Filmen gab.

Vergewaltigt und unter Druck gesetzt

Eine der ersten in Hollywood, die über Weinsteins mutmaßliches Fehlverhalten sprach, war die Schauspielerin Rose McGowan. Sie behauptet, von ihm vergewaltigt worden zu sein. Zudem sei sie unter Druck gesetzt worden, um eine Schweigegeld-Vereinbarung zu unterzeichnen.

Die Schauspielerin Rose McGowan umringt von Presseleuten
© imago images / UPI Photo
Schauspielerin Rose McGowan gibt vor der Eröffnung des Prozesses gegen Hervey Weinstein in New York ein Presse-Statement ab.

Machtmissbrauch und die ungleichen Machtverhältnisse in der Filmbranche - auch das wurde in Zusammenhang mit der MeToo-Bewegung thematisiert. Um dem entgegenzuwirken, gibt es nun Guidelines für Crewmitglieder und Cast, wie sie sich am Set zu verhalten haben.

Guidelines und Vertragsklauseln für die Firmen

Einige Produktionsfirmen haben auch eine Vertragsklausel eingeführt, den sogenannten "Inclusion Rider", durch den Frauen und Minderheiten besser repräsentiert werden sollen. "Im März kommt einer der ersten Filme ins Kino, der mit dieser Klausel gearbeitet hat: 'Just Mercy' mit Jamie Fox und Brie Larson."

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Von mehr Diversität insgesamt könne man dennoch nicht sprechen, so Anna Wollner. Ein Indiz dafür: Bei den jüngsten Golden Globes waren wieder die "alten, weißen Männer" in der Überzahl. "Da sieht man, wie festgefahren die Situation ist."

"Bei den Golden Globes hat man ja gesehen, wie gut das funktioniert - nämlich gar nicht: In der Kategorie 'Regie' waren alte, weiße Männer nominiert."
Anna Wollner, Filmjournalistin

Unterschiedliche Wahrnehmung in Hollywood

In Hollywood selbst ist die Wahrnehmung der Situation ganz unterschiedlich, berichtet unsere Filmjournalistin. Während manche eine große Veränderung spüren - etwa Schauspielerin Kristen Stewart - spielten andere die Sache eher herunter und antworten ausweichend: Das Ganze sei doch nicht nur Thema in Hollywood. So was passiere schließlich überall. Das hat zumindest Filmproduzent Jerry Bruckheimer auf Anna Wollners Frage erwidert, wie er die Situation in Hollywood einschätze.

"Men are terrified. It is a pulpable, very literal reaction. Whether or not people feel changed, they are affected by the imposed change. And that is great."
Schauspielerin Kristen Stewart

Nach Einschätzung von Anna Wollner sei aber Bewegung in die Geschichten gekommen, die in Hollywood erzählt werden: "Das Female Empowerment ist auf dem Vormarsch", sagt sie. Es sei auffällig, wie viele Filme und Serien das Thema sexuellen Missbrauch und MeToo aufgreifen.

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Beispielsweise "Bombshell" mit Charlize Theron, Naomi Watts und Margot Robbie, ein Film in dem es über den Fox-News Gründer Roger Ailes geht, der wegen zahlreicher Missbrauchsvorwürfe gehen musste. "The Loudest Voice" greift denselben Stoff auf. Und in der Serie "The Morningshow" mit Jennifer Aniston, Steve Carell und Reese Witherspoon geht es um über eine Morningshow und den Umgang mit dem Host, der sich selbst als Opfer von MeToo inszeniert.

"Die Rechte am Weinstein-Fall hat sich schon die Produktionsfirma von Brad Pitt gesichert."
Anna Wollner, Filmjournalistin