In Coronazeiten erledigen wir (noch) viel mehr digital, als ohnehin schon. Digitales Arbeiten muss aber nicht einsam und traurig machen, sagt der Arbeitspsychologe Guido Hertel. Es hat auch viele Vorteile.

Der Arbeitspsychologe Guido Hertel von der Uni Münster versucht die Anzahl der Videoschalten soweit es geht zu reduzieren. Oder zumindest ihre Dauer zu begrenzen. Damit er nicht zu viel Zeit am Bildschirm verbringen muss.

Technik kann Einsamkeit mindern

Die Befürchtung von vielen, dass das digitale Arbeiten uns vereinsamen lässt, teilt er allerdings nicht. Denn hätten wir die Technik in Coronazeiten nicht, würden viele von uns wahrscheinlich noch weniger Menschen zu Gesicht bekommen, so Guido Hertel.

"Umgekehrt: Hätten wir die digitale Technik zurzeit nicht, wären wir noch einsamer."
Guido Hertel, Arbeitspsychologe

Die Perspektive, dass uns die digitalen Möglichkeiten vor allem helfen, immerhin noch ein Minimum an sozialen Kontakten zu gewährleisten, sei wichtig.

Meetings aktiv strukturieren

Bei digitalen Meetings sei es wichtig, sich vorher genau zu überlegen, was in der zur Verfügung stehenden Zeit erreicht werden soll. Das sei noch wichtiger als bei analogen Treffen. Die Teilnehmenden müssten sich vor allem klarmachen, wie viel Zeit tatsächlich benötigt wird: Wir Menschen seien Gewohnheitstiere und würden unsere Meetings häufig nach dem Kalender in Stunden takten – auch, wenn wir gar keine Stunde für ein Meeting brauchen.

Soziale Zeit einplanen

Gleichzeitig sei es wichtig, neben den effektiven Arbeitszeiten "soziale Plauderzeiten" einzuplanen, in denen Dinge besprochen werden wie: Wie geht es uns? Was ist gerade los? Bei analogen Treffen passiere das meist automatisch. Bei digitalen Meetings sei das zunächst ungewohnt, dass man diese Zeiten einplanen muss. Am Ende würde sich die Planung lohnen: Die Effizienz solcher Digitalmeetings sei oft besser, als viele denken.

Guido Hertel empfiehlt, wenige Meetings mit ausreichend Pausen dazwischen. Auf keinen Fall solltet ihr stundenlang ein Meeting ans nächste knallen.

Kreativität braucht keine Gruppen

Alleine seien Menschen häufig auch tatsächlich kreativer als in einer Gruppe. Auch wenn wir meinen, wir seien kreativer, wenn wir beispielsweise mit fünf Leuten zusammen in einem Raum sitzen und Ideen generieren – das stimmt so gar nicht, meint der Arbeitspsychologe. Wenn dieselben fünf Leute alleine in einem Raum brainstormen, würden sie häufig mehr und teilweise bessere Ideen produzieren.

Entscheidend sei zu gucken: Wofür brauche ich denn ein Meeting? Wenn es darum gehe, Entscheidungen zu treffen oder andere mitzunehmen und Gemeinschaft zu schaffen, dann seien Meetings quasi unumgänglich und sehr wichtig.