Arbeiten im Homeoffice ist für viele von uns inzwischen Normalzustand. Und vielleicht bleibt das auch noch lange so. Weil wir dadurch viele Kosten sparen - etwa bei Bus und Bahn, Tanken oder der Kaffeebude – hat ein Analyst der Deutschen Bank jetzt vorgeschlagen, als Ausgleich dafür eine Art Homeoffice-Steuer einzuführen, um damit anderen zu helfen.

Der Analyst Luke Templeman hat in einem internen Papier, das er für Deutsche Bank Research geschrieben hat, folgende Rechnung aufgestellt: Weil viele von uns wegen Corona ins Homeoffice wechseln, sinken unsere täglichen Ausgaben. Wir geben zum Beispiel weniger aus für Benzin, öffentliche Verkehrsmittel, schicke Bürokleidung oder den täglichen Kaffee an der Kaffeebude.

Auch der Lunch in der Kantine, der Imbissbude oder dem Restaurant ist in der Regel teurer als das Essen zuhause. Und wir gehen in der Mittagspause nicht mal eben noch schnell beim Einzelhändler in der Stadt vorbei, sondern erledigen die Besorgung online.

Idee: Einsparungen weitergeben

All das bleibt für die Wirtschaft nicht ohne Folgen. Der Vorschlag daher: Das Geld, das ein Teil der Beschäftigten in der Krise einspart, könnte man doch jetzt an die weitergeben, die besonders unter der Krise leiden, zum Beispiel:

  • an den kleinen Kulturschaffenden, der nicht mehr auftreten kann,
  • an die Bäckerei oder den Imbiss neben einem großen Bürogebäude, in dem kaum noch Leute sitzen,
  • an die vielen Menschen in Gesundheitsberufen – diese hätten in der Pandemie viele Risiken auf sich genommen und seien viel systemrelevanter, als es ihr Lohn nahelege, so Templeman.

Luke Templeman rechnet vor: Wenn der Staat die Arbeit im Homeoffice mit fünf Prozent auf das Bruttogehalt besteuern würde, könnten so in Deutschland pro Jahr 15,9 Milliarden Euro zusammenkommen. Dieses Geld könnte der Staat dann an die gemessen an ihrem Haushaltseinkommen unteren zwölf Prozent der Gesellschaft umverteilen.

"Templeman schlägt vor, das Geld, das die Homeoffice-Steuer in die Staatskassen spülen würde, an die unteren zwölf Prozent der Gesellschaft umzuverteilen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Das Geld solle dann an die Menschen gehen, die ihren Platz in der Gesellschaft ohne eigene Schuld verloren haben: "Diejenigen, die das Glück haben, sich von der 'Angesicht-zu-Angesicht-Wirtschaft' abkapseln zu können", schuldeten es denjenigen, denen das nicht möglich sei, so der Analyst.

15,9 Milliarden Euro für die Verlierer der Coronakrise

Templeman rechnet vor, dass diesen Menschen jährlich 1500 Euro ausgezahlt werden könnten. Für einen Deutsche-Bank-Manager seien diese Worte schon erstaunlich, findet unsere Netzreporterin. Für manch einen klinge das quasi schon sozialistisch.

Bei einem Jahresgehalt von 40.000 Euro käme auf den Steuerzahler ein Betrag von rund 7,50 Euro pro Arbeitstag zu, hat der Analyst ausgerechnet. Diese Summe entspreche auch in etwa der, die der Durchschnittsbüromensch für Pendeln, Verpflegung am Arbeitsplatz und Officekleidung ausgibt.

Kosten für den Steuerzahler im Homeoffice

Auf der anderen Seite entstehen der arbeitenden Bevölkerung im Homeoffice allerdings auch neue Kosten – etwa für die Einrichtung des Arbeitsplatzes oder höhere Strom- und Heizkosten. Ob dieses Geld in seine Berechnungen mit eingeflossen ist, lasse sich dem Papier nicht entnehmen, sagt Martina Schulte.

Die vorgeschlagene Steuer muss aber gar nicht unbedingt bei den Arbeitnehmern hängenbleiben: Templeman schlägt vor, dass die Unternehmen sie übernehmen könnten, die den Heimarbeiterinnen und Heimarbeitern keinen ständigen Heimarbeitsplatz bezahlen. Denn diese Unternehmen würden durch das Homeoffice ihrer Mitarbeitenden ja ebenfalls einiges einsparen.

Arbeitgeber könnten die Steuer übernehmen

Nur wenn ein Arbeitnehmer selbst beschließt, lieber im Homeoffice arbeiten zu wollen, sollten die fünf Prozent Homeoffice-Steuer von dem Beschäftigen selbst übernommen werden, so der Plan. Unsere Netzreporterin findet die Überlegungen des Analysten nicht verkehrt.

"Die Homeoffice-Steuer ist eine Idee, über die man, finde ich, wirklich mal ernsthaft nachdenken sollte."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Luke Templeman hat sein Strategiepapier übrigens nicht primär für den aktuellen Ausnahmezustand verfasst, schreibt er. Sondern weil er wie viele andere Beobachter auch davon ausgeht, dass das Homeoffice für viele Menschen auch nach der Pandemie der Normalzustand sein wird. Schon vor der Pandemie sei Arbeiten im Homeoffice immer populärer geworden. Die Coronakrise habe diese Entwicklung einfach nur stark beschleunigt.